Donnerstag, 1. November 2012

Annapurna Circuit - Tag 2: Bhulbhule - Jagat

Morgens - der erste Blick aus dem Fenster: Weiße Berge!!!!
Später Aufbruch in Bhulbhule. Diskussion mit Kushang über die Routenwahl. Wir wollen keine Straßen laufen.















In Nadi ist plötzlich Kushang weg - wir geben Gas und stürmen nach Bahundanda den Berg hoch. Doch auch dort ist kein Kushang, aber alle anderen Trekker, die die gleiche Route laufen und vor uns gestartet waren. Noch ist keine Zeit für Mittag und wir laufen weiter - spätestens in Syange werden wir ihn wieder finden.
Mittag in Badalbisauna

Als wir auf das Mittagessen warten, die Momos werden frisch mit Gemüse aus dem Garten gemacht, holt uns Kushang wieder ein - er war also doch hinter uns...


 Es ist extrem heiß und feucht. Mein T-Shirt zeigt keine trockene Stelle mehr, so kommen diverse nasse Abkühlungen recht....
Kushang entkam uns heute nicht mehr :-)
In Syange hat uns die Straße wieder - der schöne Wanderweg auf der anderen Seite des Marsyangdi mitten durch die Felder ist hier zu Ende.
Marsyangdi & Jagat

In Jagat ist Schluss für heute. Die Zimmer sind Luxus (mit eigenem Bad) und die Dusche ist nach der feuchten Hitze sehr willkommen. Nur wenn die Jungs zu viel Radau machen, bröselt bei uns die Decke.... Das Dal Bhat schmeckt ausgezeichnet, nur Sven kämpft mit seinem Magen

Sonntag, 28. Oktober 2012

Annapurna Circuit - Tag 1

Kathmandu 8 Uhr: Kein Kushang, wir vier (Zachi, Sven, Anja und ich) stehen wie bestellt und nicht abgeholt vorm Hotel, was wir defacto auch sind.
Kathmandu 8:25: Ah, da kommt Kushang, der Verkehr war so dicht... er organisiert uns zu fünft ein Taxi, d.h. wir vier hinten auf die Rückbank, soll ja nur bis zur Microbussstation gehen (was da noch kommt, wissen wir noch nicht, außerdem sind wir nach 3 Tagen Kathmandu schon einiges gewöhnt).
Microbusstation 8:45: In dem Bus um 9 Uhr sind laut Kushang nur noch schlechte Plätze frei, er besorgt uns für den Bus um 9:30 die besten Plätze, d.h. wir sitzen direkt hinter dem Fahrer, der Vorteil ist, dass man die Füße auch mal hochstellen kann. Allerdings werden die drei Sitze für vier Leute verkauft - Nepalische Logik...
Abfahrt 9:30: Noch ist der Bus nicht voll und vor allem das Dach außer unseren Rücksäcken richtig leer. Aber wir wissen bereits vom Vortag, wie man so einen Bus packen kann.... Und ja, in Kathmandu wird der freie Raum im Bus an Kurzstreckenfahrer verkauft.
10:30: wir sind immer noch in Kathmandu, mit so einem leeren Dach kann man unmöglich bis Besi Sahar fahren und so wird draufgepackt und draufgepackt und noch mehr draufgepackt. Die Straßenlage dieses Fahrzeugs erreicht ganz neue Dimensionen.... unser Fußraum wird noch mit Klobrillen gefüllt, insofern hat sich das mit den "besseren" Plätzen irgendwie erledigt...
Dann endlich kann es los gehen, wir werden nur noch durch den dichten Verkehr gebremst. Es staubt und ist heiß und die Fahrt zieht sich.
13:00 Mittag in einer Straßenküche, es gibt unser erstes Dal Bhat. Wir bekommen sogar einen Löffel, fast alle Nepalesen essen mit den Fingern. Wir schauen uns bei Kushang ab, wie man es isst: einfach alles zusammenmischen.... es schmeckt ausgezeichnet.
Straßenküche mit unserem Bus (Mitte)
15:30 Endlich Besi Sahar; 6 h für 170 km - willkommen in Nepal! Kushang muss noch "was erledigen" - wie wir später auf unserer Reise erfahren, wohnt seine Tochter hier und er hat ihr noch ein paar Süßigkeiten aus seinem Laden mitgebracht.















16:15 wir sind abmarschbereit - Etappenziel ist Bhulbhule. Wir laufen über die Straße, da es schon so spät ist, wollen wir einfach nur ankommen. In Khudi beginnt es leicht zu gewittern und zu tröpfeln und es wird dunkel. Wir laufen weiter bis Bhulbhule, das Dorf scheint voller Trekker zu sein, am Ortsende, in der Heaven-Lodge bekommen wir noch zwei Bretterverschläge. Die Momos schmecken heute Abend besonders gut.

Donnerstag, 20. September 2012

Die Hängebrücke

Wie meist, begann auch diese Tour mit unendlichen Diskussionen. Nach ein paar Tagen Hollersbach und besten Wetteraussichten habe ich mich doch spontan für eine Hochtour mit Anja und noch zu bestimmenden weiteren Leutchen entschieden. Am Ende der Diskussion wollten Anja, Zachi und ich auf den Dammastock und von Freitag auf Samstag war auch noch was auf der Hütte frei und wir alle flexibel genug, die Tour einfach einen Tag vorzuziehen.
Anja und ich haben uns Freitag früh auf den Weg Richtung Schweiz gemacht, Zachi in Luzern eingesammelt und bei strahlend blauem Himmel Innertkirchen angesteuert. Nach Auto umparken, Rucksack packen und ein wenig warten, ging es dann mit dem Bus bis Schwendi (1020m) zur Triftbahn. Für die ersten paar Höhenmeter gönnten wir uns die durchaus interessante Triftbahn (bei der wir nur 15 min warten mussten – es soll auch Wartezeiten bis zu 2h geben). Von der Underi Trift (1357m) ging es gemütlich auf schmalen Wegen in der Sonne stetig bergauf. Nach ca. einer Stunde wurde die Attraktion dann sichtbar: Anjas Hängebrücke :-)
Dort angekommen machten wir erst mal gemütlich Mittag (mit einer Menge anderer Leute) und genossen dann ausführlich die Überquerung dieser doppelt und dreifach versicherten Hängebrücke. Danach wird die Wegführung interessant: Immer am Hang entlang, immer mal wieder bergab aber meist steil bergauf mit Tiefblicken zum See. Die vielen Bächlein am Wegrand waren unsere einzige Hoffnung: Sie spendeten uns Wasser und somit regelmäßig feuchte Gaumen, denn die Sonne brannte schon sehr. Weiter hinten kamen wir zu einem größeren Bach, der ordentlich gewütet hatte und wo wir erst mal eine Stelle zum Überqueren suchen mussten. Danach ging es eine Weile relativ eben am Hang entlang, bevor der letzte Steilaufschwung zur Hütte führte. Dort angekommen wurden wir freundlichst von dem Hüttenpaar mit Tee und Keksen begrüßt. Schön war es dort oben, die Sicht gut und so war auch der Weg für Samstag gut einsehbar. Nach kurzer Rücksprache mit der Hüttenwirtin Irene war auch klar, was der ideale Weg zum Dammastock sein sollte.
Um 4:45 machten wir uns alleine nach sehr leckerem Frühstück, das sogar zu so früher Stunde schmeckte, auf den Weg. Wir waren die einzigen auf der Hütte, die Richtung Dammastock wollten. Für den Weg durchs Geröll bis zum Gletscher hatten wir den richtigen Riecher, auf dem Gletscher den beinahe idealen Weg bis zum Undri Triftlimi. Dort machten wir eine kurze Pause, mittlerweile war die Sonne aufgegangen, aber wir standen noch im Schatten und es war ziemlich frisch. Danach ging es erst leicht bergab, bevor wir auf eine Spur vom Rhonegletscher trafen und dieser bis zum Gipfel folgten. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz sind felsig, aber es lohnte sich nicht wirklich, die Steigeisen dafür auszuziehen.
Dort oben angekommen, machten wir eine ausführliche Gipfelrast. Es war sonnig, warm und windstill – keine Wolken am Himmel, dieser Gipfel bietet wirklich ein herrliches Panorama. Wir wollten kaum weiter, aber es stand noch ein weiter Abstieg bevor. Solange der Gletscher schneebedeckt war, kamen wir schnell voran. Danach begann der Hatscher, unterbrochen von dem Gletscherbruch, den man links im Fels umgeht. Diese Passage besteht mehr aus Schutt als aus Fels und die beschriebenen Steinmännchen waren kaum identifizierbar.  Zurück auf dem Gletscher kam das Ziel näher und näher, wir hatten noch ein kleines Spaltenwirrwarr zu umgehen, das die Laune deutlich sinken ließ, aber irgendwann war auch das geschafft und wir schauten noch bei den ETH-Geophysikern vorbei, die dort Messungen auf dem Rhonegletscher machen. Zachi haben wir auch direkt dortgelassen. Die letzten Meter bis zur Eisgrotte waren dann schnell geschafft und die kühle Rivella wartete bereits am Kiosk. Mit dem Bus ging es zurück über den Grimselpass nach Innertkirchen.
Alles in allem eine schöne Tour mit wunderschönem Panorama aber einem langen Gletscherhatscher.

Sonntag, 2. September 2012

3 Gipfel nur keine 4000

Nachdem der Beginn des Sommers noch recht unbeständiges Wetter hatte, war für Samstag langsam Wetterbesserung angesagt. Um sicher zu gehen, dass das Wetter wirklich taugte entschieden wir uns für eine Tour am Sonntag und Montag im Wallis.
Zachi und Sven wollten auch mal bergsteigen (eigentlich 4000+), aber mit zwei so Grünschnäbeln über einen Gletscher musste wirklich nicht sein. Deswegen entschied ich mich für die Tour von der Bordierhütte über das Groß Biegerhorn auf den Balfrin. Am Donnerstag beschloss Claudia, eine Kollegin von Zachi, noch kurzfristig mitzukommen und mit ihrer Gletschererfahrung stand dem Weiterweg zum Ulrichshorn und vor allem dem viel zügigeren Abstieg über den  Riedgletscher nichts mehr im Wege.
Für Sven und mich geht es also am Samstagmorgen um 5 Uhr in Karlsruhe los und nachdem wir Zachi in Olten und Claudia in Visp eingesammelt haben waren wir bei strahlendem Sonnenschein und Hitze um 12 Uhr bereit für den Hüttenzustieg zur Bordierhütte.  Hier fällt mir dann auch endlich ein was ich vergessen habe – die Stirnalmpe, aber wir haben ja noch drei. Schon auf dem Weg zur Bordiehütte muss man 1200 hm und ein ziemliches Stück Wegstrecke überwinden. Trotzdem ein netter Aufstieg vor allem wenn man zum Schluss den Blick auf den Riedgletscher bekommt bevor man diesen leicht überquert um schließlich zur Hütte zu gelangen. Hier werden wir zunächst einmal von einem ganz stattlichen Steinbock begrüßt und ich kann später von der Hüttenwirtin eine Stirnlampe für den nächsten Tag schnorren.
Am Montagmorgen schmeißt uns der Hüttenwirt um viertel vor drei aus dem Bett. Schon ganz schön früh, aber diejenigen die  von der Bordierhütte den Nadelgrat machen wollen müssen so früh raus. Für uns geht es dann erstmal aus der Mulde vor der Moräne ziemlich steil durch Schutt Richtung Groß Biegerhorn. Meine Waden spüren doch deutlich, dass es die erste Toru seit langem ist. Nachdem wir Punkt 3146 südöstlich des kleinen Biegerhorns erreicht haben wird es auch wieder ein wenig flacher und die erste Dämmerung macht die Wegfindung deutlich leichter. Von hier an folgen wir zunächst dem breiten Rücken und schließlich dem Grat zum Groß Biegerhorn. Der Weg verläuft dabei nicht immer direkt auf dem Grat ist aber, wenn man die Augen auf macht, leicht zu finden.
Auf dem Gipfel angekommen ist es dann wirklich frisch und ein ziemlich eisiger Wind bläst uns entgegen, so dass Zachi beschließt für die kurze Pause kann man ruhig mal den Daunenpulli rausholen. Wir stopfen uns zügig einen Rigel zwischen die Zähne und schauen das wir weiter kommen.  Auf dem Weg rüber zum Balfrin soll zunächst eine 2er Kletterstelle kommen. Wir müssen zwar kurz über eine Platte, diese ist aber wirklich leicht, so dass wir bald in den Schnee kommen und die Steigeisen anlegen können. Wir folgen dem Grat. Kurz vor dem Balfrin müssen wir noch einmal ein gutes Stück absteigen, erreichen dann aber völlig problemlos den Gipfel. Von hier geht es erst einmal wieder ohne Steigeisen hinunter  in die Senke zwischen Balfrin und Punkt 3644 von wo man leicht auf den Gletscher gelangt. Noch ein kleines Stück können wir uns erholen bis es vom Riedpass schon wieder bergauf geht zum Ulrichshorn. So langsam wird die Tour doch lang, so dass der Aufstieg zum Ulrichshorn ein wenig Quälerei  ist. Die Bank die es hier oben angeblich hat ist nicht zu sehen und buddeln wollen wir nicht, vor allem weil ziemlich zügig eine Wolkendecke rein zieht. Somit machen wir uns wieder an den Abstieg. Da der Gletscher wirklich noch sehr gut eingeschneit ist, ist dies aber völlig problemlos. Selbst der Bruch unterhalb von Punkt 3783 bietet keine Schwierigkeiten und wir erreichen gegen 12 Uhr wieder die Hütte. Nach Rivella und Tee bleibt nun nur noch der Abstieg nach Gasenried und zum Auto. So schön dieses Tal am Vortag war jetzt ist es einfach nur noch lang und die Füße schmerzen. Kurz vor dem Ziel können wir uns noch an einem kleinen Brunnen erfrischen, denn die Wolken vom Gipfel haben sich wieder verzogen und vom wirklich kalten Wind merken wir auch nichts mehr, einzig die Sonne bleibt übrig, dass wir ziemlich verschwitzt aber glücklich unten ankommen.
Eine einfach aber wunderschöne Tour mit fantastischen Ausblicken auf den Nadelgrat und ins Saas-Tal, die doch eine ordentliche Länge hat, wenn man auch noch das Ulrichshorn mit nimmt.
  • Groß Biegerhorn - Balfrin - Ulrichshorn
  • Ausgangspunkt Bordierhütte
  • SAC Alpinführer Walliser Alpen 4/5 Vom Theodulpass zum Simplon
  • Karte 1308 St Nikolaus, 1328 Randa

Dienstag, 26. Juni 2012

Klettern am Wiwanni

Endlich mal wieder Berge! Und was für welche! Aber mal der Reihe nach.... Nach langen Diskussionen haben sich Uta, Ansgar, Erik und ich entschieden auf die Wiwannihütte zum Klettern zu fahren. Da die Hütte aber bereits ausgebucht war, sind wir mit Zelt und voller Verpflegung losgezogen. Zum Glück kann man bis Fuxtritt fahren und so verbleiben nur 600 hm bis zu Hütte.
Dunkel war es als wir oben ankamen und dabei einen geeigneten Schlafplatz zu finden (einer, der eben ist), ist gar nicht so einfach. Da das Wetter so schön war, haben wir das mit dem Zelt aufstellen bleiben gelassen und unter freiem Himmel übernachtet.
Am nächsten Morgen wurden wir von der Sonne geweckt. Nach gemütlichem Frühstück haben wir uns auf den Weg Richtung Wiwanni-Ostgrat gemacht. Im Zustieg waren einige steile, gefrorene Firnfelder zu queren. Das morgendliche gute Wetter war leider nicht von Dauer und es zogen immer wieder dichte Nebelschwaden durch. Trotzdem haben wir den Einstieg gut gefunden (ist mit einer roten Markierung versehen). Die ersten Seillängen sind mit 5a/5b die schwierigsten, zwischendurch sind wir am laufenden Seil gegangen und sonst im Überschlag geklettert. Bis zum Gipfelkreuz haben wir trotzdem ziemlich lange gebraucht, aber ab Mittag wurde das Wetter wieder besser und so konnten wir den herrlichen Ausblick auf das Bietschhorn sowie auf die hohen Berge im Wallis genießen. Der Abstieg führt über den Westgrat (Normalweg) mit einer Abseilstelle und dann weiter über die Firnfelder zur Hütte.
An der Hütte angekommen, haben wir diese erst mal um viel Rivella und Radler erleichtert und bei den letzten Sonnenstrahlen unser Abendmahl zubereitet. Nachdem die Sonne hinten den Bergen verschwunden war, wurde es schnell kalt und wir haben es uns in den Schlafsäcken gemütlich gemacht.
Nach einer weiteren klaren aber nicht so kalten Nacht entschieden wir uns am Sonntag für die Routen auf das kleine Augstkummenhorn. Uta und Erik entschieden sich für die Route am Grat entlang, während Ansgar und ich die leichtere Enzianroute wählten. Diese führte in schöner abwechselungsreicher Kletterrei bis max 4b (Platte) auf den Gipfel. Von dort kann man entweder abseilen oder über den Westgrat absteigen.

Dienstag, 15. November 2011

Saisonbeginn - Saisonende

Zum Saisonende haben wir es dann doch noch geschafft, die
Saison zu starten. Aufgrund von ungünstigen Konstellationen wie schlechtem Wetter und ausgebuchten Wochenenden gab es diesen Sommer nie die Möglichkeit eine Hochtour zu gehen. Aber der September zeigte sich noch einmal von seiner traumhaften Seite und so ging es am ersten Oktober -Wochenende in die Silvretta und am 3.Oktober noch einen Tag zum klettern in die Tannheimer (liegt ja fast auf dem Weg!).
Am Freitagabend ging es also Richtung Bielerhöhe. Anscheinend hatte der Rest von Baden-Württemberg auch den Wetterberichtgelesen und auf dem Kalender gesehen, dass der Montag frei ist. Dementsprechend zäh ging der erste Reiseabschnitt vor sich und bis wir endlich auf der Wiesbadener Hütte ankamen war es bereits halb 12. Dafür wurden wir auch um diese Uhrzeit noch mit viel Begeisterung von der Kellnerin empfangen.
Am Samstagmorgen ging es dann Richtung Dreiländerspitze. Ansa und ich kannten die Tour bereits, aber so ein Minigletscher war genau das richtige für Sven, um das erste Mal Steigeisen an den Füßen zu haben. Viel Gletscher gab es dann auch wirklich nicht zu überqueren bevor es auf den Grat ging. Der war dafür schneefrei und gut zu begehen. Da, wie immer alle anderen Richtung Piz Buin rannten, hatten wir den Gipfel fast für uns und bei Windstille und strahlend blauem Himmel genossen wir den Blick über Ortler und Bernina bis zum Tödi. Am Nachmittag wurde die Hütte dann richtig voll. Immerhin die letzte Nacht, die sie offen hatte. Am nächsten Morgen reihten wir uns dann auch auf dem Weg zum Piz Buin ein. Wir waren zum Glück ganz vorne dabei und es ging auch wirklich gut voran. Die Flüsse waren relativ trocken und somit kein Hindernis. Der Gletscher zwar recht aper und zum Teil gab es spannenden Spaltenbrücken, aber so früh gut zu meistern. Somit waren wir recht zügig in der Buin Lücke.
Bis zum Kamin war das Gehen auch hier problemlos. Das erste Stück hatten wir die Steigeisen noch an, dann wurde es aber immer schneefreier. Leider hatte dann nur der Kamin vereiste Stellen drin und war somit ein bisschen gehampel zum hoch kommen. Danach ging es aber wieder problemlos über Schotter zum Gipfel. Hinter uns wurde es immer voller. Und so blieben wir heute nicht lange auf dem Gipfel, sondern schauten, dass wir zügig runter und durch den Kamin kamen. Die Dreiergruppe die nach uns dort runter mussten, brauchte schon eine halbe Stunde länger als wir, weil gleichzeitig so viele Leute hoch wollten.
Bis zur Hütte über den Gletscher zurück war es dann richtig warm und problemlos. Zurück zum Auto war es wie immer zäh bis man endlich um den Stausee rum war. Insgesamt aber ein schöner Hochtourenabschluss.
Damit war unser Wochenende aber noch nicht rum. Wir wollten den freien Montag noch für eine Klettertour nutzen und da die Tannheimer ja fast auf dem Weg liegen, machten wir uns am Sonntagabend noch auf den Weg dorthin. Bis unser Zelt auf dem Campingplatz stand war es doch schon reichlich spät und nach einer Pizza fielen wir todmüde ins Bett und fragten uns wer bitte auf diese dumme Idee gekommen war.
Am nächsten Morgen stiegen wir bei schöner Nebel-Herbststimmung zum Gimpelhaus auf. Von den letzten beiden Tagen doch schon etwas müde, entschieden wir uns für einen echten Klassiker, den Hüttengrat. Auch hier waren wir nicht alleine unterwegs, aber nachdem sich die Seilschaft vor uns schon beim Einstieg für einen Rückzug entschied, hatten wir niemanden vor uns. Trotz Dreierseilschaft waren wir recht zügig unterwegs und konnten noch einmal einen traumhaften Spätsommertag in den Bergen genießen.
Nach rasanter Abseilfahrt ging es noch für ein Stückchen Kuchen zum Gimpelhaus bevor wir uns mit all den Leuten, die dieses wunderbbare verlängerte Wochenende genutzt hatten, über die Autobahn zurück quälten. Dafür mit netter Unterhaltung, denn zum Nationalfeiertag gab es im Radio nur deutsche Lieder.

Donnerstag, 29. September 2011

Kungsleden

Der kurze Aufenthalt in Stockholm war wie als ob man nie weg gewesen wäre… und die darauf folgende Nachtzugfahrt in den Norden war wie immer unterhaltsam und die richtige Einstimmung auf die Tour. Der Leitspruch des Schweden „Tar det lugnt“ zeigte sich hier par excellence. Nachdem wir endlich in Abisko angekommen waren, packte ich meine Sachen fertig und machte mich direkt auf den Weg. Für den ersten Tag hatte ich mir eine kurze Etappe ausgewählt: ich wollte an den Abiskojaurestugor übernachten, da wildes Zelten im Nationalpark nicht erlaubt ist.

Das Gelände war sehr flach, große Teile des Weges führten durch Birkenwäldchen, die sollten lange die einzigen Schattenspender bleiben. Schnell war ich 15 km gegangen und wurde von einem sehr netten Stugvärd empfangen. Nachdem ich eine warme Mahlzeit zubereitet hatte, blieb noch ein langer Abend vor mir. Irgendwann vertrieben mich allerdings die Mücken ins Zelt. Dunkel wurde es sowieso nicht, also entschied ich mich einfach mal zu schlafen.
2. Tag
Dementsprechend früh war ich wach, frühstückte gemütlich, ließ mein Zelt von der Sonne einigermaßen trocknen und machte mich auf den Weg. So früh war ich ziemlich alleine unterwegs. Vom Wetter her hatte ich Glück – kaum eine Wolke am Himmel. Der Weg war durchwegs gut markiert. Nach kurzer Wegstrecke verließ ich den Abisko Nationalpark und kam damit ins Kalfjäll, den wie ich finde, interessanteren Teil der Landschaft. Vorbei an Samendörfern und dem großen See Radujarvi kam ich gegen 15:00 an den Alesjaurestugor an. Heiß war es und so kaufte ich dort eine Dose Cola, was mich für einen kurzen Moment zurück in die Zivilisation brachte.

Eine Waage auf der Hütte erklärte mir, warum mir der Rucksack so schwer vorkam: 19kg – den Luxus des Zweimannzeltes musste ich eben schleppen… Laut der Hüttenwirtin sollte das Wetter schlechter werden, aber sie sagte, dass sollte es auch schon die Tage zuvor – nehmen wir es wie es kommt. Daran hielt ich mich und setzte meinen Weg nun mit Begleitung eines anderen Alleinwanderers fort. Kurz vor dem Aufschwung zum Tjäktapass schlugen wir unsere Zelte auf, es war mit gut 30 km bei dem schweren Rucksack genug für heute. Wieder vertrieben mich Abends die Mücken ins Zelt und diesmal schlief ich einigermaßen gut, auch wenn die fehlende Dunkelheit einem das Gefühl eines leichten Schlafs vermittelt.
3.Tag
Den Weg setzte ich alleine weiter fort – ich wollte nicht immer warten, sondern meinen Weg für mich fortsetzen. Zum Tjäktapass galt es die einzige nennenswerte Steigung zu überwinden. Oben war es ziemlich kahl – selbst die Wiesen waren mehr mit Steinen als mit Gras übersät. Kurz vor dem Pass überquerte ich einige Schneefelder. Heute war das Wetter leider nicht mehr ganz so gut wie in den letzten Tagen, am Pass blies es ordentlich und wir waren in Wolken gehüllt.

Ich wärmte mich in der Schutzhütte kurz auf und begegnete noch einer großen Rentierherde. Nach dem Pass öffnete sich der Blick ins Tjäktajåkka, dieses Tal zieht sich lang hin. Im ersten Moment fand ich dies den entmutigendsten Teil des Weges: So viel war noch vor einem, immer im gleichen Trott. Doch je weiter ich kam, desto mehr genoss ich das gemütliche laufen. Ich hatte mir über die ganze Tour einen Rhythmus gewählt, ca. 1 h laufen, dann kurze Pause mit Rucksack absetzen und etwas trinken usw. Allmählich machten sich meine Füße bemerkbar und fingen an zu Schmerzen. So war ich froh als ich an der Sälkastuga ankam und mir noch mal eine Cola gönnte. Der Hüttenwirt hat mich in der Zeit gut unterhalten – irgendwie sind die Wirte hier deutlich offener als in den Alpen. Aber auch diesmal setzte ich den Weg weiter fort und entschied nach langen Überlegungen, nicht über Singi zu laufen, sondern die Abkürzung zum Kebnekaise zu nehmen.

Kurz vor dem Übergang schlug ich mein Nachtlager auf, hier hatte ich endlich wieder Wasser und meine Füße wollten nicht mehr weiter, waren schließlich wieder 30 km gewesen. Außerdem hatte ich einen herrlichen Blick zurück auf die Sälka und das Tjäktajåkka. Es bot sich ein interessantes Wolkengebilde, kurzfristig sah es sogar nach einem Gewitter aus, das sich aber glücklicherweise wieder verzog. Nur noch gute 30 km und ich müsst ein Nikkaluokta ankommen. Eigentlich taten mir meine Füße schon so weh, dass ich nicht wirklich weiter wollte, aber was hatte ich für eine Alternative. Der Weg zur Kebnekaise Fjällstation zog sich in die Länge. In der prallen Sonne schwitzte ich entsetzlich. Allmählich änderte sich auch die Vegetation zurück zum Birkenwäldchen, was die Situation nicht großartig anders machte. Gegen Mittag erreichte ich endlich die Fjällstation. Nach einer kurzen Pause ging ich weiter – 19km bis ins Dorf. Meinen ursprünglichen Schnitt mit Pause nach einer Stunde und ca. 5 km pro Stunde hielt ich schon lange nicht mehr – ich war froh, wenn ich eine halbe Stunde laufen konnte. Irgendwann zog ich meine Schuhe aus und ging mit meinen Watschuhen, die ich vorsichtshalber eingepackt hatte, weiter. Dies ging anfänglich sehr gut, doch der schwere Rucksack machte sich dadurch weit mehr bemerkbar. Außerdem waren die Mücken heute so bissig, dass auch alles Mückenspray nicht mehr half.

Vom Tal zog auch ein Wetter auf und so entschloss ich, als ich endlich am Laddjujavri war dort unten zu zelten. Dort gönnte ich mir auch den bekannten Renburger von Lap Dånalds. Die Mückenplage war kaum noch auszuhalten und so verzog ich mich schnell ins Zelt, dass ich in neuer Rekordzeit aufgebaut hatte, denn der Wind war so stürmisch, dass es jede Minute zu regnen beginnen konnte. Das hat es dann allerdings erst mitten in der Nacht.
Am nächsten Morgen war ich wieder sehr früh wach, aber ich wollte schließlich den Morgenbus in Nikkaluokta erreichen, und 5 km lagen noch vor mir. Die schaffte ich auch wie gewohnt in einer Stunde, doch ich war froh, am Ziel zu sein.
Was nehme ich von dieser Tour mit: Einen total zerstochenen Rücken, die Gewissheit, dass ein 19kg schwerer Rucksack auf Dauer kein Pappenstiel ist, die große Freiheit, die sich durch ein Zelt ergibt und die Erinnerung an die unglaublich freundlichen Menschen, die ich auf meinem Weg getroffen habe.
  • Lantmäteriets Fjällkarta BD6 Abisko – Kebnekaise – Narvik