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Mittwoch, 28. September 2016

Eeeeendlich!

Auch wenn Anja es noch viel mehr verdient hätte, hat zumindest die Hälfte von uns - nämlich ich - endlich den Galenstock bestiegen. Eine lange Geschichte - hier findet ihr den Anfang der Geschichte, eine weitere Episode findet sich hier und ganz abgesehen von den nicht dokumentierten Versuchen schien ein Fluch auf diesem Berg zu liegen. Zum Glück wurde die Wettervorhersage fürs Wochenende von Tag zu Tag besser und so starteten Moritz, Sandra, Martin und ich optimistisch am Samstag Richtung Furkapass. Der Hüttenaufstieg auf die Sidelenhütte (2708m) ist kurz und so hatten wir nachmittags noch Zeit den besten Weg auf den Gletscher zu finden, damit wir im Dunkeln nicht zu viel Zeit verlieren.
Erste III-Kletterstelle
Die Sidelenhütte ist eine kleine, private Hütte mit sehr familiärer Atmosphäre. Nach dem Abendessen waren wir vier auch direkt im Bett, wir waren einfach müde und doch quatschten wir im Lager noch ziemlich lange.
am Gipfel
Nach dem Frühstück um 6 Uhr starteten wir alleine, eine Zweierseilschaft war etwas hinter uns unterwegs. Dank der Erkundungstour am Vortag fanden wir den Weg ziemlich gut. Das Firnfeld, dass uns zum Einstieg des Süd-Ost-Sporns führen sollte, war ziemlich ausgeapert, wir stiegen also über eine Schmoddermasse, die zum Glück gefroren war, auf und am Punkt 3252 trafen uns die ersten Sonnenstrahlen. Hier beginnt der eigentliche Sporn, wobei zu Beginn noch Gehgelände zu überwinden ist. Erst bei der ersten richtigen Kletterstelle packten wir das Seil aus und kletterten in zwei Seilschaften über jetzt festen und schön geschichteten Fels nach oben. Diesmal hatten wir mit ca. 20m die ideale Seillänge gefunden und kamen schnell vorwärts. Oberhalb des Sporns folgt man dem Normalweg auf den Gipfel, wobei die Gipfelflanke noch mal etwas steiler ist. Diese war teils blank und so kamen sogar mal unsere Eisschrauben zum Einsatz, bevor wir gegen 11.30 alleine am Gipfel bei bester Gipfelsicht standen. Dank der Abseilstelle westlich des Sporns, sowie des weichen Schnees unterhalb, der sich ideal zum Abfahren eigenete, waren wir relativ schnell und ohne schmerzende Knie wieder an der Hütte.
Fazit: Eine schöne, abwechslungsreiche nicht zu lange Hochtour mit einem tollen Aussichtsgipfel


Montag, 19. September 2016

Auf Messers Schneide

Und weil es so gut läuft und das erste richtige stabile Hoch des Sommers einfach nicht klein zu kriegen ist, müssen Martin und ich im Engadin natürlich auch noch mal die schweren Stiefel auspacken.... Nach dem gemütlichen Abendessen bei Zachi verbringen wir den nächsten Vormittag mit Rucksack packen, letzte Sachen recherchieren, Vorräte auffüllen und einfach kurz in der Sonne ausspannen. Mittags machen wir uns dann auf den Weg nach Pontresina, von wo aus wir zuerst durch lichten Kiefernwald ins Val Roseg wandern. Es ist unglaublich heiß, trotz der Höhe (Pontresina liegt auf 1800m) und so sind wir über jeden Schatten froh. Beeindruckend wie sich das Tal weitet und den Blick auf die Gletscher frei gibt. Wir steigen weiter zur Tschiervahütte. Einige entgegenkommende Wanderer schauen uns ungläubig an, wünschen uns viel Glück oder fragen uns, ob wir uns wirklich sicher sind. Das erhöht natürlich die innere Anspannung vor so einer Tour... Gegen vier Uhr sind wir auf der Hütte und trotz des herrlichen Wetters suchen wir einen Schattenplatz in der Hütte und leeren eine 1,5-Liter-Flasche nach der anderen (beim Bezahlen fragt die Hüttenwartin, ob unsere Strichliste auch wirklich stimmt *g*). Die Sonne hat uns regelrecht ausgetrocknet... Die Tschiervahütte hat einen modernen Anbau in Holz-/Betonoptik bekommen, wie ich finde, ist diese Renovation ausgesprochen gut gelungen. Der Abend vergeht schnell und die Anspannung vor dem nächsten Tag wird nicht weniger. Letzte Tipps zur Wegführung zur Fuorcla Prievlusa erhalten wir von unserem Tischnachbarn, der den Biancograt bereits dreimal gemacht hat. So fühlen wir uns doch ganz gut vorbereitet und verschwinden früh in die Federn. Vom Bett aus sehen wir die Berge im letzten Abendlicht versinken.
Da geht's hinauf: Biancograt
Der Wecker klingelt um 2.45. Im Lager ist es ziemlich ruhig. Selbst beim Frühstück kommt überhaupt keine Unruhe auf, die Hütte ist zwar nicht voll, aber so entspannt habe ich selten eine Hütte vor einer solchen Tour erlebt. So kommt es dann auch, dass wir als erste Richtung Furocla Prievlusa starten, alle anderen peilen den Piz Roseg an. Zu Beginn finden wir den Weg sehr gut, zweimal verlieren wir ihn aber und müssen jeweils ein paar Meter zurück. Dabei holen uns zwei nachfolgende Seilschaften ein. Die erste heiklere Stelle ist das Überwinden des Bergschrunds, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Zur Fuorcla gehen wir über die Firnflanke, diese ist gut eingeschneit und weißt schönen Trittfirn auf. In der Fuorcla treffen wir auf die Sonne. Nach einer kurzen Pause machen wir uns an die Kletterei. Zu Beginn haben wir einen Bergführer mit seinen Kunden vor uns, der uns den Weg weißt, doch dadurch, dass wir über Fixpunkte sichern, brauchen wir länger. Die Kletterei zieht sich ziemlich bis wir endlich auf dem eigentlich Biancograt ankommen. Die zweite heikle Stelle ist die Umgehung des letzten Köpfles im Firn, hier ist es ziemlich aper und der Abgrund tief. Danach ist der Grat wunderbar gespurt und es heißt für die nächsten 400hm einfach nur sauber einen Schritt nach dem anderen setzen. Das Panorama ist wunderbar, doch habe ich diesmal keinen Blick dafür, ich konzentriere mich voll und ganz auf den Grat. Endlich sind wir am Piz Bianco, doch der Weiterweg sieht ganz schön heiß aus. Aber wie so oft, entpuppt es sich dann als leichter, doch die Kletterei zieht sich noch mal etwas weiter als gedacht.... Als wir endlich auf dem Gipfel der Bernina sind, fällt mir ein großer Stein vom Herzen. Aber die Tour ist hier keinesfalls zu Ende. Der Abstieg über dem Spallagrat hat es auch noch mal in sich: noch mal ein ausgesetzer Grat bevor wir Richtung Rifugio Marco e Rosa abseilen. Hier  erholen wir uns mit Radler und einem tollen Essen inkl Pasta aus Plastiktellern - eine echte italienische Hütte also.
Spallagrat
Am nächsten Morgen starten wir wieder früh (um 6:00), denn der Weg bis ins Tal ist noch weit. Wir queren die Hänge unter den Bellavistagipfeln, um die Uhrzeit ist alles fest und hart, zum Fortezzagrat. Diesen seilen wir teilweise ab und teilweise klettern wir ab, bevor wir den Rest über Firn Richtung Vadret de la Fortezza absteigen. Bis wir an der Isla Persa ankommen ist fast Mittag. Jetzt heißt es den Pfadfindersinn auszupacken, erstaunlich gut finden wir mittels alter Trittspuren und viel Fantasie von Steinmännchen den Wanderweg der von der Diavolezza zur Bovalhütte führt. Unsere Beschreibung war schon etwas älter und führt ebenfalls über die Bovalhütte, doch erscheint uns das bei dem aktuellen Gletscherstand nicht als der schnellste Weg. Auf der alten Seitenmoräne vom Vadret Pers steigen wir Richtung Morteratschgletscher ab - ein kleiner Pfad und nicht zu alte Trittspuren lassen uns vermuten, dass wir hier irgendwie durchkommen müssten. Und tatsächlich scheint hier ein Weg auf den Morteratschgletscher zu führen. Dieser lässt sich sehr gut ohne Steigeisen begehen und so hoffen wir an der Zunge irgendwie wieder auf Land zu kommen und laufen nach vorne. Und auch hier haben wir wieder Glück, auf der rechten Seite kommen wir auf gewachsenen Fels und nun heißt es nur noch zum Touriweg abzusteigen. Bald haben uns die Massen wieder und wir wandern auf dem breiten Weg raus Richtung Morteratsch. Dabei wird einem noch mal vor Augen geführt, wie schnell sich der Gletscher zurückgezogen hat, dafür haben nun Pflanzen und kleine Bäume das ehemalige Gletscherbett erobert.
In der Bellavistaquerung
In Morteratsch gibt es erst mal was zu trinken: Unsere Camelbags waren schon lange leer... Geschafft suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und warten auf den nächsten Zug.
Die schweren Hochtourenstiefel werden gegen leichte Wanderschuhe getauscht und der letzte Urlaubstag mit Zachi und Family im stabilen Hoch genossen.

Dienstag, 6. September 2016

Wenn wir schon mal da sind....

Oberhalb Bärenloch
Die Campingplatzsuche im Vinschgau gestaltet sich gar nicht so einfach, schließlich werden wir in Prad fündig. Samstag vormittag verbringen wir mit Waschen, in der Sonne rumsitzen und Besorgungen im Städtle machen. Nachmittags kommt dann die angekündigte Kaltfront und es schüttet aus allen Kübeln, der Himmel verheißt nichts gutes. Wir machen es uns gemütlich und planen die nächsten Touren - schließlich, wenn wir schon mal in der Ecke sind, wollen wir auf den Ortler. Sonntag ist zwar noch alles Wolken verhangen, aber wir können immerhin wieder draußen frühstücken - der Wetterbericht stimmt ziemlich genau. Gegen Mittag sind wir dann in Sulden und starten im Nebel auf die Payerhütte. Wir haben uns nach längerer Diskussion für den Normalweg entschieden - er scheint uns einfach passender. Die Felswände im Zustieg zur Tabarettahütte bekommen wir kaum zu Gesicht, es wabern viele Wolken, was das ganze noch mystischer macht. An der Tabarettahütte machen wir eine kurze Pause mit Suppe - es ist doch ziemlich frisch und feucht. Im weiteren Aufstieg kommen uns ein paar Gipfelgänger entgegen, damit haben wir für morgen auf alle Fälle eine Spur im Schnee. Gegen halb vier sind wir oben und die Hütte will ihren Charme nicht so recht versprühen. Es ist kalt und so kuschel ich mich ins Bettchen (im Lager stehen unglaublich viele Betten rum, auf den unteren kann man sich nicht mal aufrecht hinsetzen, so niedrig sind diese). Das Lager wird mit der Zeit zwar voller, aber von voll kann zum Glück keine Rede sein. Als ich zum Abendessen wieder aufstehe, scheint auch schon die Sonne, nur im Tal hängen noch die Restwolken, das verspricht für morgen das angekündigte beste Wetter.
Das Frühstück verläuft etwas unorthodox: Anscheinend hat jeder eine andere Uhrzeit genannt bekommen, denn als wir um 5 Uhr kommen sind die ersten schon weg. Auf der anderen Seite gar nicht so blöd, weil sich dann der Tatzelwurm etwas auseinanderzieht. Im Schein der Stirnlampen finden wir den Weg erstaunlich gut zum Wandl, über dieses mit Eisenketten nach oben zur Schlüsselstelle (für die wir das Seil auspacken). Nach der Schlüsselstelle folgt die Querung zum Bärenloch, wo wir dann Steigeisen anziehen und auf Gletscher umrüsten. Im Bärenloch selbst haben wir eine kurze Stelle Blankeis, allerdings sind Stufen geschlagen, so dass dies im Aufstieg kein Problem darstellt. Danach folgt noch mal eine steile Firnstufe bevor es über das Ortlerplatt Richtung Gipfel geht. Hier kommt uns bereits die erste Seilschaft entgegen. Nach 3 Stunden sind wir am völlig überfüllten Gipfel (vom Hintergrat kommen noch einige Seilschaften hoch und von der Payerhütte werden auch ca. 40 Leute gestartet sein).
Blick zurück
Nach einer kurzen Pause steigen wir schnell ab - es scheint zwar die Sonne und es ist richtig klar, doch ein frischer Wind weht durch alle Ritzen. Erst unterhalb der steilen Firnstufe erwärme ich mich wieder, aber nun haben wir alle Seilschaften hinter uns gelassen und so können wir uns in Ruhe an die heikleren Stellen machen. Das Bärenloch abklettern ist sicher die interessanteste, aber auch das meistern wir gut und dann heißt es nur noch dem speckigen Fels folgen. Wie meist zieht sich der Weg bis zur Hütte noch ordentlich (morgens im Dunkeln nimmt man das nicht als so lange war).
Nach einer kurzen Rast an der Hütte steigen wir ins Tal ab. Viele neue Gipfelaspiranten kommen uns entgegen. Wir scheinen uns den perfekten Tag ausgesucht zu haben: wenig Leute & bestes Wetter.
Abends erwartet uns Zachi im Engadin und so machen wir uns auf den Weg über das Val Mustair und den Ofenpass nach Samedan.

Montag, 5. September 2016

Nächste Etappe: Hochtouren

Gipfelflanke Weißkugel
Nach einer Nacht auf dem Campingplatz in Imst waren wir wieder bereit für weitere Touren. Ein paar Hochtouren sind hier noch um die Ecke, die ich noch nicht gemacht habe: Weißkugel und Fineilspitze. Da Martin zu faul ist, von Vent zur Schönen Aussicht zu laufen und von Imst es fast egal ist, wo man hinfährt, entscheiden wir uns vom Schnalstal aus zu starten. Auf dem Weg dorthin erledigen wir noch die letzten Besorgungen und steigen dann nachmittags von Kurzras auf. Es nieselt immer wieder und ziemlich feucht kommen wir oben auf der Hütte an. Dort werden wir von einem warmen Trockenraum empfangen und auch Jasmin tut alles, dass wir uns gleich wohlfühlen. Die Schöne Aussicht ist einfach keine normale Hütte (Sauna, Saunatuch, 4-Gänge-Menue, Schuhtrockner und sowieso ein total uriges Haus). Am nächsten Tag wollen wir auf die Weißkugel - wir sind die einzigen, die meisten Gäste sind Wanderer oder Genießer.
Gipfelgrat Weißkugel
Nach dem Thermofrühstück um 5 Uhr ist es immer noch ziemlich bedeckt. Den Weg bis zur Teufelseggbahn finden wir sehr gut, auch danach ist er gut markiert, verläuft allerdings anders als auf der Karte eingezeichnet. 2,5h brauchen wir bis zum Gletscher. Ein bisschen haben sich die Wolken gelüftet, so dass wir zumindest das Hintereisjoch erkennen. Anhand einer alten Spur finden wir dort auch sehr gut hin und kurz zeigt sich sogar die Sonne. Die Randkluft lässt sich steil aber wunderbar eingeschneit überwinden. Das Spuren hinterlässt doch mehr als ein paar Spuren bei mir und so löst Martin mich mit der Spurerei an der steilen Gipfelflanke ab. Am Grat haben uns die Wolken wieder, doch finden wir gut zum Felsaufschwung. Die Felsen sind eingeschneit und voller Anraum - wir sind die ersten, die nach dem gestrigen Schneefall auf den Gipfel gehen - leider ohne jegliche Aussicht, aber alleine. Im Abstieg reißt die Wolkendecke immer mehr auf, so dass wir wenigstens von unten noch mal den Gipfel sehen. Am Gletscherrand sind wir schnell doch dann zieht sich der Abstieg mit den vielen Gegenanstiegen zur Hütte.
Weg zur Fineilspitze (Bildmitte)
Für den kommenden Tag ist besseres Wetter vorhergesagt und so sind wir guter Dinge, die Fineilspitzüberschreitung auch ohne richtige Tourenbeschreibung angehen zu können - wir werden den Weg schon finden :-) Wir steigen zurerst zur "Liftkreuzung" ab und queren dann zwei apere Gletscherausläufer. Danach führt über die Landzunge ein drahtseilversicherter Weg zum Punkt 3144 (der Einstieg befindet sich von unten aus gesehen über einen steilen Schutthang links). Von Punkt 3144 gehen wir über die Landzunge weiter Richtung Süden und queren von deren Ende ins Fineiljoch zuerst über Gletscher später steiler in Eisflanke (bis 40°, kann bei schlechten Verhältnissen im Fels umgangen werden). Vom Joch sind wir schnell in unschwierigem Gelände am Gipfel. Auch heute ist uns keine Gipfelsicht gegönnt, die Wolken haben letztendlich doch zugezogen und so überschreiten wir bei null Sicht ohne Pause den Gipfel. Im Abstieg finden wir schnell Steigspuren und Steinmänner, doch ohne Sicht müssen wir trotzdem aufpassen, diese nicht zu verlieren. Wir haben den richtigen Riecher und kommen ohne weitere Gletscherberührung direkt zur Ötzifundstelle und dem Tisenjoch. Ab hier ist der Weg sowohl zur Martin-Busch-Hütte wie auch zur Similaunhütte markiert. Da wir ins Schnalstal zurück müssen entscheiden wir uns für letzteren und treffen alsbald auf die E5-Wanderer in Scharen. Den Abstieg nach Vernagt bringen wir schnell hinter uns - sogar die Kühe scheinen sich in ihrer Ruhe gestört zu fühlen und setzen zu Sprints an. Wie sollte es anders sein, im Abstieg bekommen wir wieder genug Sonne.
Fineilspitze
Nach diesen zwei schönen, einsamen Hochtouren (ohne Gipfelaussicht aber ansonsten doch mit passablem Wetter) suchen wir uns erst mal einen Campingplatz und gönnen uns einen Ruhetag (an dem geschickterweise eine Kaltfront durchzieht).

Montag, 18. Juli 2016

Viiiiel Schnee im Juli....

Triangle - rechts: Goulotte Chéré
Endlich mal wieder Berge! Das erste Juli-Wochenende sind Erik, Ansgar, Jochem, Axel und ich auf die Cosmique-Hütte mit dem Ziel, steile Eisflanken zu begehen und das Handling im Hochalpinen zu üben. Das Wetter war überwiegend gut vorhergesagt und so entschieden wir uns trotz des vielen Schnees auf alle Fälle mal zu fahren und dann zu schauen, was denn so ginge. Nach gut 5h waren wir von Karlsruhe über den Abstecher Bern, um Ansgar einzupacken, in Chamonix. Die Sonne stand hoch am Himmel und es war sehr sommerlich. Also bloß nicht zu viel anziehen, auch wenn wir gleich 2500m höher sein werden. Mit vielen Touristen reihen wir uns in die Schlange zur Aiguille du Midi ein. Die Fahrt hinauf geht schnell und das Panorama war sehr beeindruckend. Oben angekommen ist es gar nicht so leicht, den richtigen Ausgang zu finden, ein Irrgarten aus vielen Wegen und Tunneln. Wir kommen schnell raus und stehen dann da, mitten unter Sommertouristen im Winter: Das Beäugtwerden ist noch intensiver als am Jungfraujoch, auch der Start der Tour spektakulärer, muss man doch gleich einen Firngrat absteigen, der steil nach Chamonix abfällt. Der Schnee ist butterweich, die Sonne knallt runter und wir sind froh, dass wir nicht zu viel angezogen haben. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir, direkt zum Pt Lachenal (3613m) weiterzugehen und die Hütte rechts liegen zu lassen (die knapp 100 hm zusätzlich sind unakklimatisiert in der Höhe doch unangenehm, außerdem werden wir diesen Weg noch das ein oder andere Mal gehen müssen....). Am Fuß des Pt Lachenal teilen wir uns in zwei Seilschaften aus, die Wand ist vollkommen mit Firn bedeckt, trotzdem packen wir das Seil zum Sichern aus - schließlich wollen wir üben. Ich stapfe mal los und merke schon, dass ich überhaupt nicht an die Höhe angepasst bin. Zwischendurch und oben bieten sich Felsblöcke zum Sichern an, oben hat man einen herrlichen Blick auf den Dent Geant und die Grandes Jorasses. Für mich, die zum ersten Mal in diesem Gebiet unterwegs ist, sehr beeindruckend. Nach einer gemütlichen Pause steigen wir über die flachste Stelle der Wand wieder ab und schlappen gemütlich zur Hütte.
Mont Blanc du Tacul
Für Samstag ist durchwachsenes Wetter mit Gewittern vorhergesagt. Wir starten um 6 Uhr bei teils bewölktem Himmel Richtung Goulotte Chéré - das scheint die einzige Route des Triangle zu sein, wo das Eis nicht von Trittfirn bedeckt ist. Die Wolkenstimmung am Himmel ist interessant, aber nicht so beängstigend, dass wir nicht einsteigen. Wir brauchen etwas, bis wir das Material auf die zwei Seilschaften verteilt haben und wir sichern an zwei unterschiedlichen Punkten die beiden Vorsteiger Erik und Ansgar. Als alle, außer mir, ich sicher Ansgar noch die 1. Seillänge nach oben, am zweiten Stand sind, sind wir plötzlich vollkommen in Wolken eingehüllt und es fängt an zu schneien, innerhalb weniger Minuten sind wir von passablen Wetter bei einem Schneesturm mit Gewitter angelangt und so ziehen wir uns schnell zurück - wenn man hier von schnell reden kann. Als wir alle wieder unten auf dem Gletscherplateau angekommen sind, scheint die Sonne.
Nach kurzer Diskussion entscheiden wir, uns erstmal auf der Hütte aufzuwärmen, der Spinndrift und der Schnee von oben haben und doch ziemlich durchnässt und ausgekühlt. Als wir auf der Hütte sind und uns mit Tee und zweitem Frühstück eingedeckt haben, geht das ganze Schauspiel von vorne los - ich muss sagen, ich bin froh jetzt ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Den restlichen Tag vergammeln wir und für die ursprünglich geplante Spaltenbergung kann sich niemand so richtig motivieren.
Neuer Tag, neues Glück: Die Goulotte hat uns doch in ihren Bann gezogen und so wiederholen wir Sonntag den Einstieg. Überraschenderweise ist eine Seilschaft vor uns (wann die gestartet sind, ist uns nicht ganz klar), doch Eisschlag lösen sie genug aus. Als sie dann auch noch über die Route wieder abseilen, müssen wir im Eisregen und Kälte (die Sonne scheint, aber es weht eine stürmische Brise) ziemlich lang ausharren. Die Kletterei macht aber Spaß. Die Tour ist eingepickelt und damit trotz ihrer 80 Grad nicht so schwer. Die drei kritischen Seillängen steigt Ansgar vor, den Rest gehen wir in Wechselführung. Es macht Spaß, sich immer höher zu pickeln auch wenn ich meine Füße und Finger überhaupt nicht spüre und auch sonst vor Kälte zittere. Wie schön, als wir kurz vor dem Ausstieg endlich auf die ersten Sonnenstrahlen treffen. Der Ausstieg zieht sich etwas, aber oben angekommen bleibt noch genügend Zeit auch auf den Mont Blanc du Tacul weiterzustapfen. Ich spüre die Anstrengung und die Höhe, doch stapfe ich gemählich gen Gipfel. Die letzten 50 hm sind noch mal einfache Felskletterei zum Gipfel (4248m). Oben belohnt uns eine herrliche Rundumsicht, doch der stürmische Wind lässt uns bald absteigen. Kaum sind wir im Windschatten der Taculflanke, stehen wir in unserem eigenen Saft. Zügig durchqueren wir diese - sie sieht zwar sehr beeindruckend aus, aber so recht geheuer ist sie mir mit ihren Spalten und Seracs nicht.
Noch ein Tag mit gutem Wetter soll uns vergönnt sein, aber die Höhe mit dem wenigen Schlaf und der Anstrengung machen sich bei mir doch bemerkbar und so ziehe ich eine kürzere Tour vor. Ansgar und ich wollen über den Cosmique-Grat zur Aiguille du Midi, Jochem, Axel und Erik über eine Firnroute noch mal auf den Triangle. Als wir uns gegen 8 Uhr zum Abmarsch fertig machen, treffen wir Jochem, der sich spontan umentschieden hat. Auf dem Grat ist schon einiges los, doch ist der erste Aufschwung kompletter Trittfirn und Ansgar drückt ordentlich aufs Tempo. So kommen wir als erste an die Abseilstelle und haben dann etwas Zeit, den Weiterweg gut abzusichern. Dabei steige ich das meiste vor - es macht Spaß, sich Sicherungen zu suchen, im Mont-Blanc-Granit findet man immer was.... Am letzten Aufschwung, dem 4b-Riss kommt es noch mal zu unangenehmen Überholmanövern, doch Jochem lässt sich als Vorsteiger nicht aus der Ruhe bringen. Eine schöne, wenn auch mit Steigeisen und Rucksack ungewohnte Kletterei führt uns letztlich über eine Leiter mitten auf die Besucherterasse. Damit endet unsere Tour wo sie begonnen hat - mitten im Tourisengewühl.
Alles in allem war es eine schöne Ausfahrt in ein beeindruckendes Gebiet, die definitiv Lust auf mehr gemacht hat - vielen Dank an Ansgar und Erik für die vielen Tipps und die Geduld :-)

Donnerstag, 7. April 2016

Hänge abgrasen im Winter

Martin im Anstieg zur Eiskögelescharte
Wir wollten Ostern mal wieder eine Chance geben, schließlich sind da vier Tage am Stück frei und es kann nicht jedes Jahr schlechtes Wetter haben. Erik hat eine Ausfahrt auf die Langtalereckhütte organisiert und da schlossen sich Martin und ich an. In der Karwoche war ein stabiles Hoch über dem Alpenraum - die Aussichten für Ostern waren durchwachsen. Die ZAMG schrieb: „Für das Osterwochenende kann man davon ausgehen, dass es nicht strahlend sonnig sein wird. Sonst lässt sich nichts seriöses sagen.“ Aha - aber die Hoffnung stirbt zu letzt. Am Gründonnerstag schien die Sonne über dem See, wenn auch nur morgen noch halbwegs passables Wetter wäre…. So starteten wir mit dem starken Reiseverkehr gen Ötztal. Nach dem Arlberg war das Wetter gut und die Nacht klar. Dies ließ uns zumindest für Freitag hoffen.
Die Abfahrt vom Rotegg
In Zwieselstein hatten wir noch ein Notlager bekommen, so dass wir zum Glück nicht mehr nachts auf die Hütte aufsteigen mussten. Am Freitag war das Wetter morgens deutlich besser als erwartet - ein ganz hohe dünne Schleierbewölkung trübte etwas den Blick, doch während des Aufstiegs durch das Skigebiet wurde uns sehr heiß, eine Bekleidungsschicht nach der anderen fiel. In Skiunterhemd, Weste und Stirnband ließ es sich aushalten. Am Eingang zum Rotmoostal entschieden wir uns, den Weg übers Eiskögele zu versuchen, das Wetter schien stabiler zu sein, als angekündigt. Nach dem steilen Aufstieg über die Nordostflanke wurde es etwas flacher und wir waren ganz alleine unterwegs. Immer wieder zogen ein paar Wolkenfetzen durch, doch die Sicht wurde nie richtig schlecht, nur der Anstieg zog sich und die Wärme staute sich. Endlich erreichten wir den Beginn des letzten Aufschwungs vor der Scharte und schnallten die Ski auf den Rucksack (Höhe und Wärme hatten mich fertig gemacht). Über ein paar Trittstufen und ein Drahtseil ging es nun sehr steil in die Scharte hinein. Von dort leuchtete das schöne Steinmandl vom Eiskögele herüber. Da die Zeit jedoch schon fortgeschritten war und die  Sicht sich nun endgültig zu verschlechtern schien, entschieden wir, den Gipfel sein zu lassen und direkt die Abfahrt in Angriff zu nehmen. Die ersten Schwünge im Windharsch waren unangenehm, dann genossen wir die Abfahrt, bis wir mitten in den Wolken standen. Jetzt hieß es nur noch alte Spuren suchen und anhand dieser Richtung Hütte navigieren. Ziemlich gut haben wir es getroffen - irgendwann haben wir Stimmen gehört und wussten, jetzt ist die Hütte gleich um die Ecke :-)
die Schlucht der Gurgler Ache
Samstag morgen haben wir es ruhig angehen lassen, schließlich sollte es erst im Laufe des Vormittags aufklaren. Geschneit hat es über Nacht, ca 20 cm. Zu acht sind wir dann ins Langtal aufgebrochen - wir legten die ersten Spuren von der Hütte hinab  durch lockeren Pulver. Von dort schlappten wir uns gemütlich ins Langtal ein, bevor wir sehr steil Richtung Rotegg aufstiegen. Die Sicht war nach wie vor schlecht, und so ganz sicher waren wir uns nicht mit der Aufstiegsroute gewesen. Nachdem wir die Steilstufe überwunden hatten, machten wir erstmal Pause, da wir unbedingt eine Positionsbestimmung durchführen wollten. Wie gerufen lichtete sich der Nebel kurz, bevor er dann ganz verschwand und es ein strahlend schöner Tag wurde. Den letzten Hang zum Rotegg ließen wir lieber unberührt, da hatte es in der Nacht doch ziemlich geblasen und genossen es, die ersten Schwünge in den Schnee zu setzen. Wir wanderten im T-Shirt noch etwas weiter Richtung Langtaljoch um einen ideal geneigten Durchschlupf auf den Langtalferner fahren zu können. Selbst auf dem Langtalferner hatten wir Spaß und genossen den unverspurten Schnee. Zur Hütte zurück mussten wir zwar noch mal auffellen, kamen aber ziemlich problemlos dort an. Eine einsame Tour mit herrlichem Pulver.
Für Sonntag war dann gutes Wetter vorhergesagt, mit am Nachmittag aufziehender Bewölkung. Diesen Tag wollten wir zu sechst nutzen, um auf die Hochwilde zu kommen. Der spektakulärste Teil der Tour war der Beginn. Die 200 hm Abfahrt zur Gurgler Ache waren verglichen mit dem Vortag kein Vergnügen. Doch der Durchschlupf durch die Schlucht war schon spannend – teilweise ist diese nicht breiter als 2m und man kommt nur mit Ski auf dem Rücken durch. Ein Seil erleichtert dort die kurze Kletterei. Am Ausgang der Schlucht steht leider das schöne Gletschertor nicht mehr, auch sonst sieht man trotz Winter den starken Gletscherrückgang. Eine ganz schön lange Wegstrecke ist bis zum Fuß der Hochwilde zurückzulegen. Durch das leicht kupierte Gelände kam mir die Strecke bis zum Anakogel nicht so lang vor, der Weg bis zum Fuß der Hochwilde zog sich dann aber doch. Am Skidepot war einiges los. Doch die Kletterei am Klettersteig bis auf den Nordgipfel habe ich trotzdem sehr genossen. Sie ist imposant, ausgesetzt und nicht zu lange. Mit etwas Glück waren wir dann alleine am Gipfel und konnten noch die Rundumsicht genießen. Im Süden häuften sich schon dickere Wolken auch war bei uns schon eine Schleierbewölkung da, was aber eher angenehm war, so war es nicht wieder so wahnsinnig heiß wie die vergangenen Tage.
Am Grat des Vorderen Seelenkogel
Für die Abfahrt wollten wir durchs Langtal zurück. Die steile Flanke auf den Ferner war bereits eingefahren doch unten boten sich auch durch die Spaltenzone noch schöne Schwünge. Die Spur hinaus war etwas schneller als am Vortag, so blieb uns das Schieben erspart. Nur das Zurücklaufen lässt sich hier nicht verhindern.
Für den Montag wollten Martin und ich eine Tour gehen, die uns auf interessantem Wege nach Obergurgl zurückführt. Da stach uns der Vordere Seelenkogel (3290m) ins Auge (der Hintere wäre einfach zu lange gewesen). Gemeinsam mit Erik und Christoph, die uns begleiteten und der Truppe die über das Eiskögele nach Karlsruhe zurück wollte, starteten wir bei herrlichem Wetter an der Langtalereckhütte. Auf ca 2700 m trennten sich dann unsere Wege. Wir bogen nach rechts ab immer unterhalb des Felsrückens Richtung Seelenferner querend. Hoch sah der Mittlere Seelenkogel aus und die Flanke durch die wir auf den Grat zum Vorderen Seelenkogel gehen wollten war von der Ferne nicht klar auszumachen. Doch je weiter wir uns dem Grat näherten, desto klarer wurde die Aufstiegsspur. Die kurze Flanke (ca 80 hm) sowie den ersten Teil des Grats gingen wir mit Steigeisen bevor wir bis zum Skidepot wieder auf Ski umstiegen. Die Flanke rechts fiel steil ab, wir folgten also dem Grat. Mittlerweile waren die Wolken vom Alpenhauptkamm rüber geschwappt und kurzzeitig standen wir im Nebel. Am Gipfel war wieder alles frei und überall sonst schien schlechteres Wetter zu sein - die richtige Tour gewählt :-) die Nordflanke sah gut aus und nach kurzer Diskussion entschieden wir uns dort rein zu fahren. Herrliche Schwünge boten sich uns...
Wo sind wir da durch?
Anstatt der eigentlichen Abfahrtsroute zu folgen, entschieden wir uns den Spuren des lokalen Bergführers vor uns zu folgen - irgendwie wird man schon auf den Gletscher kommen. Und so war es auch, durch steile Rinnen gelangten wir letztendlich ganz komod ins Rotmoostal. Von unten sah die Abfahrt sehr wild aus, wieder finden würde ich sie wohl kaum, aber manchmal braucht man glückliche Zufälle! Unten angekommen, haben wir auf Sommer umgestellt und das Tal rausgeschoben. Dort trennten sich unsere Wege, Erik und Christoph stiegen wieder auf zur Langtalereckhütte, Martin und ich schoben ins Skigebiet und waren ganz unvorbereitet in einer anderen Welt: viele Menschen, weicher Schnee, Lärm... Auf der weichen Piste zogen wir unsere letzten Schwünge, damit ging ein wunderschönes Osterwochenende zu Ende, denn viel besser was Schnee, LLB und Wetter angeht, kann man es kaum treffen!

Sonntag, 14. September 2014

Zinalrothorn

Gut akklimatisiert machten sich Elmar und ich bei Nieselregen mit wenig Eile auf den Weg nach Zermatt. Nach einem Kaffee am Bahnhof gab es wirklich keine Ausrede mehr, warum wir nicht loslaufen sollten. Immerhin war es mal trocken und so bogen wir kurz hinter dem Bahnhof rechts ab und begannen unseren steilen Aufstieg nach Alterhaupt. An der Trift wollten wir Mittagspause machen und damit wir von diesem Vorhaben auf keinen Fall Abstand nahmen, fing es ca. 15 min vorher an zu regnen. In dem Haus war es angenehm warm, das Feuer knisterte und so trockneten wir allmählich von außen und mit leckerer Suppe auch von innen. Glücklicherweise war es nur ein kurzer Schauer, so dass wir bald unseren Weg ganz alleine, getrocknet und im Trockenen fortsetzen konnten. Von der Umgebung gesehen haben wir leider nicht viel, denn die Wolken hingen tief und bald waren wir in ihnen und wir somit wieder durchfeuchtet. Was für ein schöner Anblick, als sich die Hütte zum ersten Mal in einem Wolkenfenster zeigte. Nach gut 3,5h waren wir oben und freuten uns, uns aufwärem zu können. Doch das wurde nichts: Die Hütte war ganz leer, neben uns war noch ein Alleingänger unterwegs und so war es drinnen ähnlich kalt wie draussen. Zum Essen gab es wenigstens einen kleinen Gasofen, vor dem unsere nassen Klamotten trockneten. Aber die Wahl, schnell ins Bett zu gehen, fiel nicht schwer.
winterliches Zinalrothorn
Unsere Hoffnung auf gutes Wetter hatte sich ausgezahlt: Wir starteten um 4 Uhr bei sternenklarem Himmel ganz alleine. Den Weg zum Gletscher fanden wir gut und auch den Einstieg zum kleinen Kamin fanden wir trotz der Dunkelheit sehr gut. Nur danach war die Orientierung durch die Bänder sehr schwer und wir mussten oft den besten Weg suchen. Als wir endlich den Gletscher erreichten ging gerade die Sonne auf - ein herrlicher Anblick!
Nach dem schönen kurzen Firngrat querten wir ins Couloir zur Gabel hinauf, dieses war reichlich mit Schnee bedeckt und so zogen wir die Firnrinne der Felskletterei vor. Ab der Gabel zog sich der Grat bis zum Gipfel gefühlt unendlich: Wir sicherten auf Grund der heiklen Verhältnisse alles und waren dadurch sehr langsam unterwegs. Doch gegen 11 Uhr waren wir endlich am leicht wolkenumhüllten Gipfel. Dieser lud nicht so richtig zum verweilen ein und so machten wir uns bald an den Abstieg, seilten über die Binerplatte zur Gabel ab und brauchten dann durch den völlig aufgeweichten Firn (der eher Sulz war) sehr lange, bis wir endlich wieder am Firngrat angelangt waren. Obwohl wir diesmal in den Felsbändern Tageslicht hatten, fanden wir trotzdem nicht die Ideallinie und suchten ziemlich lange Durchschlupfe. Glücklich, an einem solchen Berg komplett allein unterwegs zu sein, waren wir zu müde und zu faul noch abzusteigen und blieben noch mal eine Nacht auf der Hütte, die schließlich mehr als genug freie Plätze hatte....

Samstag, 23. August 2014

Der Logenplatz im Wallis

Lange war dieses Wochenende geplant gewesen und endlich hatten wir einmal eine positive Wetterprognose. Nach Leichtathletik im Letzigrund Freitag Abend starteten Teresa, Zachi und ich erst gegen 11:00 in Zürich. Aber wir wollten auch nur auf die Turtmannhütte aufsteigen. Nach einer interessanten Anreise mit Zug bis Visp, Bus nach Turtmann LTUO, Luftseilbahn nach Oberems und Lokalbus nach Gruben starteten wir etwas später als geplant und weiter vorne im Tal als erhofft unsere Tour (einer der Nachteile bei Anreise mit dem ÖV). So hieß es erst mal das Tal nach hinten zur Vorderen Säntum schlappen, zum Glück waren wenige Autos unterwegs. Wir entschieden uns dann für den Schluchtenaufstieg - eine schöne Alternative zum Fahrweg. Auf halben Weg zum Stausee kamen wir dann auf diesen und folgten nun dem Normalweg. Die Hütte ist früh einsehbar und trohnte auf einem Felsblock im Abendlicht. Nach 3h pünktlich zum Abendessen waren wir auf der sehr vollen Hütte - die Wetterprognose hat wohl noch andere überzeugt....
Bishorn Ostwand
Am Brunegghorn, 3833m

Um halb 6 starteten wir am Sonntag gemütlich Richtung "Gässi" im Schein unserer Stirnlampen. Diese steile Rinne wurde beim näheren Hinsehen ziemlich harmlos - nach dem ersten Anstieg führt eine Seilsicherung rechts hinaus - macht auch bei dem vielen Schutt Sinn. Nach diesem ersten Höhengewinn folgt der Weg einer alten Seitenmoräne bevor man bei einem Steinmann auf ca. 2880m Richtung Gletscher abbiegt. Auf dem Weg hierher genossen wir den wunderschönen Sonnenaufgang an der Bishorn-Ostwand. Bei ca. 2900 m kommt man auf den Gletscher, der fast bis ganz unten eingeschneit war, so haben wir direkt hier angeseilt. Mittlerweile haben 3 Italiener zu uns aufgeschlossen, die wir an diesem Tag immer wieder getroffen haben. Sonst waren wir alleine unterwegs und genossen die Ruhe. Nachdem uns die ersten Sonnenstrahlen unterhalb des Bruneggjochs getroffen haben, entledigten wir uns der warmen Klamotten.
Das majestätische Weisshorn mit dem Nordgrat
Nun steilt auch der Gletscher etwas auf bis in die Scharte rechts vom Gipfel. Durch den vielen Schnee in diesem Sommer war die Westflanke wunderschön im Trittfirn bis zum Gipfelkreuz zu gehen. Das sich hier zeigende Panorama ist einfach überwältigend: Von den Berner 4000er über die gesamte Mischabel- und Weissmieskette, weiter über die Monte Rosa bis zum Matterhorn und dann natürlich ganz besonders beeindruckend, das Weisshorn mit dem wunderschönen Nordgrat - hier wirkt das Bishorn nur wie ein kleines Vorgeplänkel des großen majestätischen Gipfels. Ich konnte mich kaum losreißen - doch war es trotz des genialen Wetters ziemlich windig und kalt, was uns schließlich den Abstieg leichter machte. Am Bruneggjoch in der Sonne und im Windschatten holten wir unsere Gipfelrast nach und setzten dann gemütlich unseren Weg aufs "Festland" und zur Hütte fort. Nach kurzer Pause starteten wir auch den Abstieg ins Tal bis Gruben, von wo aus wir den abteuerlichen Heimweg antraten. Das Brunegghorn ist mit Sicherheit einer der schönsten Aussichtsberge im Wallis und noch dazu eine schöne Gletschertour.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Nass bis auf die Haut....

Wer kommt eigentlich auf die Idee bei so einem Wetter in die Berge zu gehen? Na gut, die Wettervorhersage hatte etwas Spielraum für gutes Wetter gelassen, doch als wir Samstagmorgen in Rosenlaui ankamen, regnete es. Die Motivation da jetzt raus zu müssen war bei allen ziemlich gering, so war die Entscheidung, erst noch mal einen Kaffee im Trockenen zu trinken, schnell getroffen. Aber alles rauszögern half nichts, es regnete und so machten wir uns möglichst regendicht fertig und zogen los. Das Ziel war die Dossenhütte. Kalt war es nicht und so schwitzten wir ziemlich unter den GoreTex-Klamotten, was zur Folge hatte, dass wir bald vollständig durchnässt waren. Wasser hatten wir jedenfalls genug, sowohl von oben als auch von unten. Der Fels war aber noch gut griffig, nur die Handschuhe konnten regelmäßig ausgewrungen werden. Wir waren froh, als wir am frühen Nachmittag oben waren und erstaunt, dass die Hütte trotz des schlechten Wetters relativ voll war. Aber die Hoffnung auf gutes Wetter für Sonntag war wohl nicht nur bei uns vorhanden.
Am Sonntag klingelte um 5:00 der Wecker, draußen war es neblig, wir mitten in den Wolken. Nach einem etwas längerem Frühstück starteten wir um 6.15, immer noch in den Wolken, in 3 Dreierseilschaften auf den Dossengrat. Wir kamen dadurch, dass wir alles sicherten, der Fels ziemlich nass war und wir keine eingespielten Seilschaften, nur sehr langsam voran und auch das Wetter wurde keinen Deut besser. Trotzdem war es eine schöne Kletterei. Kurz vor dem Dossensattel gibt es noch mal einen kleinen Minigipfel, über den wir kletterten. Gesehen haben wir von dort oben nichts Höheres – und da wir sehr lange hierher gebraucht hatten, definierten wir diesen als unseren Gipfel und stiegen zum Dossensattel ab und über den Gletscher zurück zur Hütte. Schließlich stand noch der lange Abstieg nach Rosenlaui bevor. Auch hier war der Fels sehr nass und so war aufpassen angesagt, es ging aber besser als erwartet und je weiter wir nach unten kamen, desto besser wurde das Wetter. Sogar die Sonne bekamen wir kurz zu Gesicht. Unten angekommen, hatten wir an diesem Wochenende so viel Wasser gesehen, dass wir beschlossen zum Abschluss trotz der nur mäßigen Temperaturen in den Brienzer See zu springen – schön war das :-)

Sonntag, 20. Juli 2014

Und gleich nochmal

Vorderer Tierberg
Weils so schön war, gings am Samstag auf die Tierberglihütte (2795m). Die größte Diskussion war der Wetterbericht, der leider alles andere als gut war, aber zumindest ließ er positiven Interpretationsspielraum. Deswegen hatten wir uns auch entschieden zu fahren. Durch den vielen Neuschnee haben wir uns für den normalen Hüttenzustieg entschieden, ohne Klettersteig. Aber auch auf dem Normalweg hat man viel Fels- und in unserem Fall auch Schneekontakt. Trotzdem waren wir in 2h oben und sind nicht nur trocken geblieben, sondern haben sogar kurz die Sonne gesehen. Das machte Hoffnung auf mehr. Den Nachmittag haben wir mit einer Spaltenbergungsübung am Windkolk vor der Hütte verbracht, und letztendlich sollte der Wetterbericht leider recht behalten: Patschnass kamen wir zurück zur Hütte.
Ja, das war der Gipfel!
Nach längerer Diskussion entschieden wir uns, den Normalweg aufs Gwächtenhorn (3420m) zu versuchen. Der eigentlich geplante Westgrat war voller Neuschnee. Mit extrem wenig Sicht zogen wir um halb 6 in 2 Vierer-Seilschaften los, jede suchte sich aber erstmal unabhängig ihren Weg. Mit uns war noch ein Schweizer Bergführer mit 3 Engländern unterwegs, der eine wunderschöne Spur legte. Auf ca. 3000m machte diese Seilschaft Pause und so spurte ich bis zum Punkt 3225 weiter. Bis hierhin war es kein Problem die Route trotz der wenigen Sicht zu finden, man hatte immer noch irgendwelche Geländekanten und Felsen als Anhaltspunkte. Jetzt übernahm zum Glück Elmar die Spurarbeit, denn bis zum Gipfel gab es keine natürlichen Orientierungspunkte mehr und so lief er nach GPS. Selbst die Gipfelfindung war auf diesem großen schneebeecktem Plateau nicht so einfach. Nach einer kurzen Gipfelrast inkl. Foto machten wir uns schnell wieder an den Abstieg, dieser war dank des Neuschnees sehr gemütlich und so waren wir fast pünktlich zum "z'Nünie" wieder zurück auf der Hütte. Nach einer gemütlichen Kaffepause stiegen wir noch in aller Ruhe bei Null Sicht ab ins Tal. Unten im Tal kam dann der versprochene Regen - aber wir saßen bereits im Trockenen :-)

Ab und zu kann auch so eine geschlappte Nebeltour sehr schön sein, trotzdem schade, dass der Westgrat, genauso wie der mit Anja im Anschluss geplante Galenstock dem Neuschnee zum Opfer fielen. Aber so gibt es natürlich mal wieder einen Grund zurückzukommen!

Montag, 23. Juni 2014

Endlich mal wieder richtig auf Hochtour

Mittlerer Seelenkogel
Lange ist es her, als ich das letzte Mal im Sommer auf Hochtour unterwegs war. Früh in der Saison mit viel Schnee und guter Wettervorhersage sind wir über das lange Wochenende auf die Langtalereckhütte gestartet. Am Freitag wollten wir eine „Eingehtour“ machen, damit sich die Gruppe besser kennen lernen kann. Der Mittlere Seelenkogel (3426m) war unser Ziel. Dazu findet man in der Führerliteratur herzlich wenig Information als Sommertour. Also war klar, dass es spannend wird, wie der Grat so genau aussehen wird.
Hochwildehaus
Um 6.30 starteten wir an der Langtalereckhütte (2430m) bei durchwachsenem Wetter – es hatte gerade erst zu regnen aufgehört und der Himmel klarte leicht auf. Wir folgen dem Weg Richtung Seelenferner, gleich zu Beginn im Langtal queren wir die ersten Schneefelder. Statt links zum Eiskögele abzubiegen steigen wir leicht rechts zur Seitenmoräne des Seelenferners auf und folgen dieser bis zu einer geschlossenen Schneedecke. Hier legen wir Gurt, Steigeisen und Seil an – wir wissen nicht genau wie weit der Gletscher noch nach unten reicht. Wir  gehen in zwei 3-er Seilschaften in logischer Routenführung ins Seelenkogeljoch (ca. 3300m). Von hier aus sieht der Gipfel schon sehr nahe aus, vor uns liegt aber noch der Grat.  Da wir den gesamten Grat absichern (es sind Sicherungsstangen vorhanden) brauchen wir ziemlich lange bis auf den Gipfel, es macht aber unglaublich viel Spaß durch die Firn-/Fels-Kombi zu klettern. Das Wetter wird unterdessen immer schlechter, wir sind immer wieder im Nebel verschwunden und es fängt an zu schneien. So entfällt auch die Gipfelrast und wir machen uns direkt auf zum Abstieg. Von oben sieht der Abstieg über den SO-Grat machbar aus und so versuchen wir unser Glück – müssen aber auf halben Wege feststellen, dass in unserer großen Gruppe kein Durchkommen möglich ist. Also wieder hoch und ein Stück über den Nordgrat runter. Mittlerweile waren wir alle komplett durchgefroren, denn der Wind hatte kontinuierlich zugenommen. Zum Glück kann man nach der zweiten Seillänge über die Nord-West-Flanke abseilen, was wir auch taten. Das letzte Hindernis war noch der Bergschrund, aber auch diesen haben wir alle sicher überwunden. Der weitere Abstieg war zuerst ein gemütliches Geschlappe über den Gletscher und die anschließenden Schneefelder und führte dann über den Wanderweg zurück zur Hütte. Für eine Eingehtour hatten wir eine sehr spannende Tour bei sehr guten Bedingungen erwischt.
Hochwilde Nordgipfel
Für Samstag hatten wir die Hochwilde geplant. Nach der anstrengenden Tour vom Freitag sind wir nur zu viert gestartet. Die erste Schwierigkeit wartete direkt nach dem Überqueren des Langtalbaches auf dem Weg zu Hochwildehaus: Hier war der direkte Übergang durch ein Schneefeld versperrt und so umgingen wir es durch einen Abstieg in die Schlucht. In der Fidelitashütte machten wir die erste Pause, was am Vortag eindeutig zu kurz gekommen war. Hinter dem Hochwildehaus folgten wir den Wegmarkierungen bevor wir anseilten und auf den Gletscher wechselten. Von hier aus zog sich der Anstieg zum Annajoch (P3150m) – es wollte einfach nicht näher kommen. Richtung Hochwilde steilte der Gletscher dann auf bevor er in die Flanke auf den Grat übergeht. Dieser ist wie ein Klettersteig versichert. Das Fixseil war teilweise noch eingeschneit und es war gut im Firn zu gehen. Da wir den gesamten Grat gesichert haben, brauchten wir noch etwas länger als eine Stunde auf den Nordgipfel (3461m), der wirklich imposant aussieht. Da wir heute sehr sonniges Wetter hatten, genossen wir unsere Gipfelrast bei Windstille fast eine Stunde lang. Für den Abstieg entschieden wir uns für den Weg über den Langtalferner - das war die richtige Entscheidung: Durch den sulzigen Schnee waren wir schnell abgestiegen, lediglich der Gegenanstieg zur Hütte machte sich bei uns allen noch mal bemerkbar.

Montag, 21. April 2014

Finally....

...der wie vielte Versuch war das? Nummer 1 (zumindest haben wir geschnuppert), Nummer 2 & 3 (das waren ziemlich ernsthafte Versuche), Nummer 4 (war auch eher ein Versüchchen) und diesmal war Ansgars Kommentar in der Flanke zum Fieschersattel: "Diesmal schaffen wir den Gipfel!"
Am Grat
Am Großfiescherhorn, 4049m
Aber jetzt erst mal der Reihe nach: Spontan sind wir bereits Donnerstag Morgen in Bern gestartet, da dies der letzte schöne stabile Tag sein sollte, Anja hatte kurzfristig abgesagt, ihr waren die Wetteraussichten zu schlecht - schade! Bei schönstem Wetter saßen also Ansgar und ich um 6 Uhr im Zug Richtung Jungfraujoch. Etwas überrascht war ich schon, dass es selbst an der Kleinen Scheidegg so gut wie keinen Schnee mehr hatte. Aber wir wollten ja noch höher hinaus. Diesmal war es richtig angenehm, die Nase auf 3454m aus dem Stollen am Jungfraujoch zu stecken: Schönster Sonnenschein und nahezu windstill. Gemütlich schlappten wir zum Mönchsjoch und fuhren über das Ewigschneefeld bis auf ca. 3220m ab und stiegen dann Richtung Fieschersattel auf. Kurz oberhalb des Bergschrundes (ca 3700m) haben wir auf Steigeisen umgebaut und allmählich machte sich die Höhe auf unsere Kondition bemerkbar. Die Flanke in den Fieschersattel war zu Beginn Wühlschnee und wurde dann zum Glück besser (Trittfirn). Trotzdem war ich ziemlich fertig als wir endlich im Fieschersattel waren. Nun waren es noch 130 hm zum Gipfel, es lag bereits eine Spur drinnen, deswegen war der Weg leicht zu finden. Nach einer kleinen Blankeisstelle und einer etwas unangenehmen Kletterstelle zu Beginn war der Grat herrlich zu klettern. Wir hatten nahezu ideale Bedingungen erwischt. Und dann endlich: Wir waren oben!!! Leider ohne Anja, dafür mit einem perfektem Panorama und angenehmen Temperaturen. Da es bereits relativ spät war als wir wieder im Fieschersattel waren, verzichteten wir auf eine erneute Besteigung des Hinteren Fiescherhorns und machten uns direkt an die Abfahrt. Den Weg durch den Bruch fanden wir ziemlich gut und von dort hieß es nur noch laufen lassen auf windverpresstem Schnee. Die letzten ca. 80 hm zur Finsteraarhornhütte waren dann der Killer, aber oben wartete ein leckeres Essen :-)
Die folgenden Tage waren nur noch halb so spektakulär: Die Kaltfront am Freitag kam früher als erhofft und so haben wir auf dem Weg zum Finsteraarhorn auf dem Weg zum Frühstücksplatz umgedreht. Den Rest des Tages schneite es und wir holten uns erst mal noch eine Mütze Schlaf und genossen den Nachmittag in der gemütlichen Finsteraarhornhütte. Am Samstag liefen wir mal wieder bei null Sicht und Schneefall zur Konkordiahütte. Windveränderungen und Änderungen des Bodens lassen einen ganz gut navigieren, wenn man weiß wo man hin will :) In der Abfahrt hatten wir Traumpulver doch leider keine Sicht um ihn genießen zu können.
Sonntag schlappten wir bei schönstem Wetter über den Aletschfirn zur Lötschenlücke und fuhren mal wieder über den Langgletscher bei Windharsch ab (vom dem schönen Gletschertor vom letzten Jahr war nichts mehr übrig....). Trotz des wenigen Schnees konnten wir Dank des Neuschnees von Samstag fast bis zur Fafleralp fahren.
Auch wenn die Gipfel im Winter im Berner Oberland sehr hartnäckig Besteigungen zu verhindern versuchen, war es mal wieder ein schöner Ausflug in ein beeindruckendes Gebiet!

Montag, 1. April 2013

Gletschertrekking


Ansgar und ich waren guter Dinge, trotz des nicht allzu gut vorhergesagten Wetters, über Ostern ein paar nette Touren in den Berner Alpen machen zu können. Motiviert sind wir um 6 Uhr morgens in Bern gestartet. In der Nacht hatte es geregnet. Der Morgen war neblig und je näher wir der Kleinen Scheidegg kamen, desto besser wurde das Wetter. Es sah nach einem richtig guten Tag aus, bis wir unsere Nasen aus dem Stollen am Jungfraujoch rausstreckten: dicke Suppe und leichter Schneefall. Bis zum Mönchsjoch hatten wir eine Spur und kamen so schnell vorwärts, doch danach wurde die Sicht deutlich schlechter und es hatte erhebliche Mengen an Neuschnee. So wurde aus der Abfahrt vom Ewigschneefeld nichts - schieben bzw. spuren war angesagt. Dabei jagten wir ständig neuen Gelädekanten hinterher, die sich aber alle als Täuschungen herausstellten.
Insgesamt hat es aktuell im ganzen Gebiet so viel Schnee, so dass auch die Abfahrt durch den Bruch am Ewigschneefeld (hier konnte man sogar ein paar Schwüge fahren...) ohne Sicht kein Problem war. Jetzt hieß es noch mal anfellen und rüber auf die andere Seite zur Konkordiahütte mit ihren unzähligen Stufen....
Hollandiahütte
Oben angekommen hatten wir genug Zeit uns zu überlegen, was in den nächsten gehen könnte: Das Wetter war erst für Montag entscheidend besser vorhergesagt, es sollte vorher aber noch stürmen und deutlich abkühlen. Damit würde sich auch der viele Neuschnee der in den letzten Stunden gefallen war nicht setzen, d.h. Gipfeltouren, warum wir hier waren, werden nicht möglich sein. Nach einigen Überlegungen fiel uns die Entscheidung leicht. Am nächsten Morgen ließen wir es gemütlich angehen, die Sicht war wieder sehr bescheiden. Wir spurten über einen nebligen Konkordiaplatz und Aletschfirn zur Lötschenlücke. Teilweise war der Schnee bereits verblasen, da wurde das Spuren gleich zur Qual. Nach drei viertel des Weges machten wir eine längere Pause, denn hinter uns kam eine große Gruppe, der wir gerne auch noch etwas Spurarbeit überließen :-)
Gletschertor Langgletscher
In der Lötschenlücke angekommen hätte man sich auf eine wunderschöne Abfahrt mit viel Pulver freuen können, doch leider sah man einfach nichts - das klassische White Out. Nach ein paar Schwüngen musste man sich erst mal wieder orientieren. Zum Glück fanden wir bald die Aufstiegsspur zur Hollandiahütte, an dieser konnten wir uns gut orientieren und so ging das Fahren deutlich leichter.
Zusammenfassend kann man sagen, es war ein netter Ausflug in ein wunderschönes Gebiet, der leider ein ganz anderes Ende nahm als geplant. So wartet das Fiescherhorn immer noch auf seine Besteigung....

Donnerstag, 20. September 2012

Die Hängebrücke

Wie meist, begann auch diese Tour mit unendlichen Diskussionen. Nach ein paar Tagen Hollersbach und besten Wetteraussichten habe ich mich doch spontan für eine Hochtour mit Anja und noch zu bestimmenden weiteren Leutchen entschieden. Am Ende der Diskussion wollten Anja, Zachi und ich auf den Dammastock und von Freitag auf Samstag war auch noch was auf der Hütte frei und wir alle flexibel genug, die Tour einfach einen Tag vorzuziehen.
Anja und ich haben uns Freitag früh auf den Weg Richtung Schweiz gemacht, Zachi in Luzern eingesammelt und bei strahlend blauem Himmel Innertkirchen angesteuert. Nach Auto umparken, Rucksack packen und ein wenig warten, ging es dann mit dem Bus bis Schwendi (1020m) zur Triftbahn. Für die ersten paar Höhenmeter gönnten wir uns die durchaus interessante Triftbahn (bei der wir nur 15 min warten mussten – es soll auch Wartezeiten bis zu 2h geben). Von der Underi Trift (1357m) ging es gemütlich auf schmalen Wegen in der Sonne stetig bergauf. Nach ca. einer Stunde wurde die Attraktion dann sichtbar: Anjas Hängebrücke :-)
Dort angekommen machten wir erst mal gemütlich Mittag (mit einer Menge anderer Leute) und genossen dann ausführlich die Überquerung dieser doppelt und dreifach versicherten Hängebrücke. Danach wird die Wegführung interessant: Immer am Hang entlang, immer mal wieder bergab aber meist steil bergauf mit Tiefblicken zum See. Die vielen Bächlein am Wegrand waren unsere einzige Hoffnung: Sie spendeten uns Wasser und somit regelmäßig feuchte Gaumen, denn die Sonne brannte schon sehr. Weiter hinten kamen wir zu einem größeren Bach, der ordentlich gewütet hatte und wo wir erst mal eine Stelle zum Überqueren suchen mussten. Danach ging es eine Weile relativ eben am Hang entlang, bevor der letzte Steilaufschwung zur Hütte führte. Dort angekommen wurden wir freundlichst von dem Hüttenpaar mit Tee und Keksen begrüßt. Schön war es dort oben, die Sicht gut und so war auch der Weg für Samstag gut einsehbar. Nach kurzer Rücksprache mit der Hüttenwirtin Irene war auch klar, was der ideale Weg zum Dammastock sein sollte.
Um 4:45 machten wir uns alleine nach sehr leckerem Frühstück, das sogar zu so früher Stunde schmeckte, auf den Weg. Wir waren die einzigen auf der Hütte, die Richtung Dammastock wollten. Für den Weg durchs Geröll bis zum Gletscher hatten wir den richtigen Riecher, auf dem Gletscher den beinahe idealen Weg bis zum Undri Triftlimi. Dort machten wir eine kurze Pause, mittlerweile war die Sonne aufgegangen, aber wir standen noch im Schatten und es war ziemlich frisch. Danach ging es erst leicht bergab, bevor wir auf eine Spur vom Rhonegletscher trafen und dieser bis zum Gipfel folgten. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz sind felsig, aber es lohnte sich nicht wirklich, die Steigeisen dafür auszuziehen.
Dort oben angekommen, machten wir eine ausführliche Gipfelrast. Es war sonnig, warm und windstill – keine Wolken am Himmel, dieser Gipfel bietet wirklich ein herrliches Panorama. Wir wollten kaum weiter, aber es stand noch ein weiter Abstieg bevor. Solange der Gletscher schneebedeckt war, kamen wir schnell voran. Danach begann der Hatscher, unterbrochen von dem Gletscherbruch, den man links im Fels umgeht. Diese Passage besteht mehr aus Schutt als aus Fels und die beschriebenen Steinmännchen waren kaum identifizierbar.  Zurück auf dem Gletscher kam das Ziel näher und näher, wir hatten noch ein kleines Spaltenwirrwarr zu umgehen, das die Laune deutlich sinken ließ, aber irgendwann war auch das geschafft und wir schauten noch bei den ETH-Geophysikern vorbei, die dort Messungen auf dem Rhonegletscher machen. Zachi haben wir auch direkt dortgelassen. Die letzten Meter bis zur Eisgrotte waren dann schnell geschafft und die kühle Rivella wartete bereits am Kiosk. Mit dem Bus ging es zurück über den Grimselpass nach Innertkirchen.
Alles in allem eine schöne Tour mit wunderschönem Panorama aber einem langen Gletscherhatscher.

Sonntag, 2. September 2012

3 Gipfel nur keine 4000

Nachdem der Beginn des Sommers noch recht unbeständiges Wetter hatte, war für Samstag langsam Wetterbesserung angesagt. Um sicher zu gehen, dass das Wetter wirklich taugte entschieden wir uns für eine Tour am Sonntag und Montag im Wallis.
Zachi und Sven wollten auch mal bergsteigen (eigentlich 4000+), aber mit zwei so Grünschnäbeln über einen Gletscher musste wirklich nicht sein. Deswegen entschied ich mich für die Tour von der Bordierhütte über das Groß Biegerhorn auf den Balfrin. Am Donnerstag beschloss Claudia, eine Kollegin von Zachi, noch kurzfristig mitzukommen und mit ihrer Gletschererfahrung stand dem Weiterweg zum Ulrichshorn und vor allem dem viel zügigeren Abstieg über den  Riedgletscher nichts mehr im Wege.
Für Sven und mich geht es also am Samstagmorgen um 5 Uhr in Karlsruhe los und nachdem wir Zachi in Olten und Claudia in Visp eingesammelt haben waren wir bei strahlendem Sonnenschein und Hitze um 12 Uhr bereit für den Hüttenzustieg zur Bordierhütte.  Hier fällt mir dann auch endlich ein was ich vergessen habe – die Stirnalmpe, aber wir haben ja noch drei. Schon auf dem Weg zur Bordiehütte muss man 1200 hm und ein ziemliches Stück Wegstrecke überwinden. Trotzdem ein netter Aufstieg vor allem wenn man zum Schluss den Blick auf den Riedgletscher bekommt bevor man diesen leicht überquert um schließlich zur Hütte zu gelangen. Hier werden wir zunächst einmal von einem ganz stattlichen Steinbock begrüßt und ich kann später von der Hüttenwirtin eine Stirnlampe für den nächsten Tag schnorren.
Am Montagmorgen schmeißt uns der Hüttenwirt um viertel vor drei aus dem Bett. Schon ganz schön früh, aber diejenigen die  von der Bordierhütte den Nadelgrat machen wollen müssen so früh raus. Für uns geht es dann erstmal aus der Mulde vor der Moräne ziemlich steil durch Schutt Richtung Groß Biegerhorn. Meine Waden spüren doch deutlich, dass es die erste Toru seit langem ist. Nachdem wir Punkt 3146 südöstlich des kleinen Biegerhorns erreicht haben wird es auch wieder ein wenig flacher und die erste Dämmerung macht die Wegfindung deutlich leichter. Von hier an folgen wir zunächst dem breiten Rücken und schließlich dem Grat zum Groß Biegerhorn. Der Weg verläuft dabei nicht immer direkt auf dem Grat ist aber, wenn man die Augen auf macht, leicht zu finden.
Auf dem Gipfel angekommen ist es dann wirklich frisch und ein ziemlich eisiger Wind bläst uns entgegen, so dass Zachi beschließt für die kurze Pause kann man ruhig mal den Daunenpulli rausholen. Wir stopfen uns zügig einen Rigel zwischen die Zähne und schauen das wir weiter kommen.  Auf dem Weg rüber zum Balfrin soll zunächst eine 2er Kletterstelle kommen. Wir müssen zwar kurz über eine Platte, diese ist aber wirklich leicht, so dass wir bald in den Schnee kommen und die Steigeisen anlegen können. Wir folgen dem Grat. Kurz vor dem Balfrin müssen wir noch einmal ein gutes Stück absteigen, erreichen dann aber völlig problemlos den Gipfel. Von hier geht es erst einmal wieder ohne Steigeisen hinunter  in die Senke zwischen Balfrin und Punkt 3644 von wo man leicht auf den Gletscher gelangt. Noch ein kleines Stück können wir uns erholen bis es vom Riedpass schon wieder bergauf geht zum Ulrichshorn. So langsam wird die Tour doch lang, so dass der Aufstieg zum Ulrichshorn ein wenig Quälerei  ist. Die Bank die es hier oben angeblich hat ist nicht zu sehen und buddeln wollen wir nicht, vor allem weil ziemlich zügig eine Wolkendecke rein zieht. Somit machen wir uns wieder an den Abstieg. Da der Gletscher wirklich noch sehr gut eingeschneit ist, ist dies aber völlig problemlos. Selbst der Bruch unterhalb von Punkt 3783 bietet keine Schwierigkeiten und wir erreichen gegen 12 Uhr wieder die Hütte. Nach Rivella und Tee bleibt nun nur noch der Abstieg nach Gasenried und zum Auto. So schön dieses Tal am Vortag war jetzt ist es einfach nur noch lang und die Füße schmerzen. Kurz vor dem Ziel können wir uns noch an einem kleinen Brunnen erfrischen, denn die Wolken vom Gipfel haben sich wieder verzogen und vom wirklich kalten Wind merken wir auch nichts mehr, einzig die Sonne bleibt übrig, dass wir ziemlich verschwitzt aber glücklich unten ankommen.
Eine einfach aber wunderschöne Tour mit fantastischen Ausblicken auf den Nadelgrat und ins Saas-Tal, die doch eine ordentliche Länge hat, wenn man auch noch das Ulrichshorn mit nimmt.
  • Groß Biegerhorn - Balfrin - Ulrichshorn
  • Ausgangspunkt Bordierhütte
  • SAC Alpinführer Walliser Alpen 4/5 Vom Theodulpass zum Simplon
  • Karte 1308 St Nikolaus, 1328 Randa