Samstag, 2. Januar 2016

Auf der Suche nach Schnee...

Es ist mal wieder Weihnachten. Hochdruckeinfluss über den Alpen, bis zu 15 Grad warm und alles grün. Lawinenlagebericht klingt jeden Tag gleich: "...Die Mitreiss- und Absturzgefahr sollte beachtet werden..." Also statt Loipeln Mountainbiken....
...aber irgendwie muss man die Zeit zwischen den Jahren bei dem herrlichen Wetter nutzen... Hat es nicht vielleicht doch irgendwo Schnee, wo man wenigstens mal schnuppern könnte? In der Zentralschweiz hat es angeblich etwas mehr, die Lidernenhütte schreibt was von Firnbedingungen...
Blick von der Seilban Spilau
Das müssen wir testen... So sind Martin und ich am 29.12. früh morgens aufgebrochen und haben uns auf den Weg nach Riemenstalden gemacht. Die Dämmerung am Wittoh erzeugte eine wunderbare Stimmung - die Alpen lagen in einem roten Licht, das Rheintal und der See in dichtem Nebel. Schön war es auch, in Riemenstalden wieder aus dem Nebel rauszufahren und herrlichen Sonnenschein zu sehen. Aber alle Südhänge waren ganz braun - kein Schnee. Die Fahrt mit der kleinen Seilbahn ist immer wieder ein Vergnügen. Der Aufstieg auf den Rossstock (2461m) war schön, bei der ersten Tour der Saison musste ich mich erst wieder an die ungewohnten Bedingungen gewöhnen.
Blick vom Gipfel
Der Gipfelhang war total abgeblasen, so haben wir ca. 100 hm unterhalb des Gipfels bereits Skidepot gemacht. Vom Gipfel hatte man eine herrliche Fernsicht - nach Norden war alles braun, nach Süden oberflächlich weiß. Die Abfahrt auf dem unangenehm hart gefrorenen verspurten Schnee gewöhnungsbedürftig....
Alles in allem trotzdem ein schöner Ausflug, auch wenn der Schnee etwas fehlte....

Samstag, 14. November 2015

Klettern im Donautal

Diesen Herbst habe ich ein naheliegendes Klettergebiet kennen und schätzen gelernt: das Donautal. Eigentlich direkt um die Ecke, war ich doch noch nie zum Klettern dort gewesen. Dafür habe ich es nun gleich ein paar mal genossen, begonnen im September bei einem herrlichen Herbsttag am Schreyfels (Opakante) und den Hausener Wänden. Die Opakante ist eine schöne Kletterei im oberen dritten Grad, kurz vor der letzten Seillänge bekommt man zum ersten Mal die Burg Werenwag durch eine Felslücke zu sehen. Die letzte Seillänge ist führt dann durch einen Kamin hinauf zum Ausstieg und einem Aussichtspunkt. Dort oben haben wir die herrliche Sonne genossen und den Ausblick ins Donautal bevor wir abgeseilt haben (man muss hier abseilen!).
T-Shirt-Wetter im November....
Im Oktober war ich mit Martin im Hochnebel am Stuhlfels. Die herbstliche Färbung war wunderschön anzusehen, doch leider wollte die Sonne nicht so recht durchspitzen... Wir sind den Südostpfeiler (4,5,4) geklettert, der vor allem im Mittelteil zwar sehr leicht aber auch entsprechend unübersichtlich ist. Danach wollten wir eigentlich den Irisweg (4,4) klettern, doch hier wäre anstehen angesagt, so sind wir spontan in den letzten Mohikaner (5+,6-) eingestiegen. Die Route sieht von unten leichter als angegeben aus und ist es auch - sie war eine wunderschöne Kletterei!
Die schönen und warmen Novembertage haben wir auch noch mal genutzt und sind an den Blicklefels. Die meisten scheinen schon die Saison abgeschlossen zu haben, denn wir waren beinahe alleine unterwegs und haben uns in der Blicklekante und im Dreierweg ausgetobt. Vor allem der Dreierweg hat mir durch seine direkte Linie sehr gut gefallen.
Alles in allem auf jeden Fall ein sehr schönes Klettergebiet direkt um die Ecke und im Herbst ist's dort einfach am schönsten...

Sonntag, 13. September 2015

Heilbronner Weg

der erste Schneemann :-)
Eine lange Alpenpause hatten wir beide. Umso schöner, dass Anja und ich endlich mal wieder gemeinsam in den Alpen unterwegs waren. Anja ist gerade auf Heimaturlaub in Deutschland und so wollten wir ein paar Tage den Allgäuer Hauptkamm entlang wandern. Doch leider kam der erste Wintereinbruch und das unbeständige Wetter genau als Anja endlich den genialen Europasommer genießen wollte. Somit haben wir unsere Tour verkürzt und die zwei guten und stabilen Tagen genutzt, wenigstens den Heilbronner Weg zu gehen. Aufgestiegen sind wir gemeinsam mit Franzi von der Fellhornbahn aus. Die Luft war kühl und klar und die Berge leuchteten weiß. Viel Matsch und Bauarbeiten haben uns im Aufstieg begleitet. Franzi musste leider abends wieder zurück und so trat sie auf der Enzianhütte den Rückweg an, während Anja und ich dem Weg zur Rappenseehütte folgten. Einige Wanderer überholten wir, die meisten wollten am nächsten Tag den Heilbronner Weg gehen. Ab ca 1900m grüßte der Schnee, wenn auch schon sehr aufgeweicht, aber rausgezogen hat es ihn heute nicht....
Sonnenaufgang an der Rappenseehütte
Auf der Hütte gab es viele Diskussionen, ob der Weg denn nun begehbar sei oder nicht. Zumindest heute war niemand rüber gekommen. Wir entschieden uns für einen gemütlichen Aufbruch und wollten und die Lage genau ansehen und uns nicht auf die ungenauen Aussagen verlassen. Trotz unseres späten Aufbruchs gegen 8 Uhr hatten wir ab der Steinscharte niemanden mehr vor uns. Die Orientierung war kein Problem, immer wieder schauten genügend Markierungen aus dem Schnee heraus, außerdem war am Vortag schon jemand am Hohen Licht gewesen. Ab 2300m war es dann aber doch zum Aufpassen: Die Spuren vom Vortag waren gefroren und so musste man genau hinsehen wo man zwischen den Felsen hintritt. Doch der Weg ist an allen entscheidenden Stellen mit Drahtseilen gesichert. Spontan entschieden wir uns, das Hohe Licht rechts liegen zu lassen und direkt den Weiterweg anzutreten, was dazu führte, dass wir ab dem Heilbronner Törl spuren durften.
Im Aufstieg zum Heilbronner Tor
Doch der nette Nebeneffekt davon war, dass wir ganz alleine unterwegs waren und die herrliche Landschaft erst im Schatten und anschließend in der Sonne genießen konnten. Der Weg gestaltete sich für uns problemlos. Am Schwarzmilzferner kamen uns dann zwei entgegen, somit hatte sich ab hier die Spurarbeit erledigt. Nachdem wir schon das Hohe Licht ausgelassen hatten, wollten wir zumindest auf die Mädelegabel. Diese war bereits schneefrei, die Steine waren teils noch vom Schmelzwasser nass. Der Ausblick war nicht ganz so grandios, denn es hatte im Laufe des Tages immer mehr zugezogen und so war es zwar noch sonnig, aber nicht mehr klar. Ab der Mädelegabel zog sich der Weg bis zur Kemptener Hütte dann doch noch hin, auch wenn wir ein paar Abstiege durch Abfahren im Schnee verkürzen konnten. Gegen 15 Uhr kamen wir auf der Hütte an und freuten uns auf Apfelstrudel und Schorli. Doch leider gab es keinen Apfelstrudel :-( so musste ein Kuchen herhalten.
Freche Bergdohlen bei unserem Vesper
Rückblick auf die Mädelegabel
Nach der Stärkung nahmen wir im Sturmschritt den letzten Teil des Weges in Angriff: Der Abstieg nach Spielmannsau. Unterwegs trafen wir noch zwei, die uns über die Abfahrtszeit des Busses informierten und so saßen wir um 17.10 Uhr glücklich und zufrieden im Bus zurrück nach Oberstorf zum Auto.
Es war eine sehr schöne Tour, v.a. auch weil sie durch den Schnee interessanter wurde und deutlich weniger Leute unterwegs waren.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Endlich Urlaub!

Was lag dieses Jahr näher als Kalifornien unsicher zu machen? Also flog Ansa nach San Diego zu Anja. Dort verbrachten wir 3 Tage, bevor wir uns auf einen Roadtrip durch Kalifornien machten. Und was erlebten wir hier alles in 9 Tagen: die wüstige Hitze mit heißem Wind um Bakersfield, die riesigen Bäume im Sequoia, die auf Bildern viel beeindruckender aussehen, einen Schwarzbären im Sequoia-Nationalpark, eine interessante Übernachtung in einem B&B (lohnt sich auf jeden Fall mal auszuprobieren), eine tolle antiquirte Tankstelle in Kings Canyon, 3 wunderschöne Tage in Yosemite mit einer Wanderung bei 35°C zum Glacier Point, den krassen Gegensatz von 18°C und Nebel in San Francisco (nein, wir haben die Brücke nicht gesehen) und einer ebenso nebeldurchzogenen Fahrt auf der Route No1 und ganz vielen billigen Früchten und Avocados am Straßenrand, die uns manches Mittagessen bescherten. Schön war's trotz Hitze und Nebel :-)
Eine Bärentatze?

Im Umfang schon beeindruckend...

Der erste Blick ins Valley



Toulumne Meadow - Yosemite

Mono Lake

Der berühmte Blick über San Francisco

Seht Ihr sie nicht - die Brücke???



Point Sur
Wir scheiterten gnadenlos...

Montag, 25. Mai 2015

So weit die Füße tragen....

Nach der langen Postpause im Winter, mal wieder ein kleiner Bericht von mir. Letztes Jahr hatten wir (Blanche, Susanne und ich) bereits die ersten Erfahrungen mit 24h-Wanderungen gesammelt und nach dem Wäldertrek Anfang Mai stand fest: Wir müssen sowas einfach selbst machen, dann kann man das nämlich durchziehen, wie wir das wollen. Gesagt, getan: Die Strecke stand schnell fest: Westweg von Nord nach Süd - stellte sich nur die Frage, wo man gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommt. Und Pforzheim als Startpunkt schied aus - wir wollen schließlich im Schwarzwald wandern :-) Also Bad Herrenalb und von dort hoch zum Westweg und dann immer weiter....
12:00 in Bad Herrenalb
Am Samstag um 12:00 standen 5 Leute mit mittelgroßem Gepäck am Bahnhof in Bad Herrenalb (neben Blanche und Susanne waren auch noch Michael und Julia mit am Start).
Ganz schön weit....
 Die erste Schwierigkeit bestand darin, den richtigen Weg zum Westweg zu finden und hier haben wir uns leicht verfranzt und sind statt zum Weithäusleplatz direkt zur Hahnenfalzhütte gelaufen. Aber dank Premiumwanderweggütesiegel (oder so was ähnlichem) war ab sofort richtige Wegfindung kein Problem mehr. Das Wetter war sehr angenehm, trocken und nicht zu warm. Dies schien viele Leute zu sportlichen Outdooraktivitäten zu treiben und so waren wir alles andere als alleine unterwegs. Gegen 18 Uhr waren wir in Forbach. Hier wollten wir Abendessen, denn dank der regelmäßigen Zivilisation wollten wir das outsourcen - macht den Rucksack leichter :-) Als Städter gestaltete sich die Suche etwas schwieriger, aber dank Durchfragen haben wir eine wunderbare Familienportion SchniPoSa beim Adler bekommen. Während die anderen Westwegwanderer, die wir kurz zuvor auf der Strecke getroffen hatten, nun Sekt schlürften, machten wir uns auf den Weiterweg. Es war ja noch ca 3 h hell, also warum auch nicht? Bei dem langen Anstieg Richtung Badener Höhe machten sich Schnitzel und Pommes bemerkbar (dank fehlender Auswahl bereute es trotzdem keiner so richtig). An jeder Grillstelle ob mit oder ohne Hütte saßen Leute draußen, tranken Bier und schienen vor Ort übernachten zu wollen. Als wir um 22 Uhr an der Badener Höhe waren (es war gerade dunkel geworden), schreckten wir die dortige Grillgruppe auf. "Wollt Ihr hier schlafen?!?!" wurden wir empfangen, wir diskutierten kurz unsere Strategie und entschieden schnell noch weiter zu laufen (evtl Ochstenstall war die Idee). Als ob wir es geplant hätten, begann hier ein Fahrweg und bis kurz hinter Hundseck blieben wir dieser Wegart treu - genau das richtige, um im Dunkeln zu wandern (das geht sogar ohne Stirnlampe). Im Anstieg zum Hochkopf wurde daraus plötzlich wieder ein Wanderweg. Da unser Tempo deutlich langsamer geworden war und der Schlafdrang deutlich größer wurde (es war mittlerweile 0:30), legten wir uns hier einfach schlafen. Um 4:30, die allerersten Anzeichen von Tag zeigten sich, packten wir unsere Ruckäcke zusammen und machten uns wieder auf den Weg. Ganz alleine in aller Stille setzten wir unseren Weg fort - schön, so früh unterwegs zu sein, auch wenn wir erst wieder in den Tritt kommen mussten und so langsam unterwegs waren.
12:00 in Zuflucht
Um 7 Uhr am Mummelsee wollte uns immer noch niemand Frühstück verkaufen, also mussten wir uns zur Darmstädter Hütte durchbeißen. Was für eine Wohltat: Kaffee und Kuchen um 8:00 - ein geniales Frühstück. Außerdem begann die Rechnerei - wie weit schaffen wir es bis 12:00? Alexanderschanze wird knapp, Zuflucht oder gar "nur" Schliffkopf? Seit der Schlafpause konnten wir das Tempo vom Vortag nicht annähernd erreichen, Blasen und Schmerzen taten das Übrige - der ein oder andere dachte ans früher abbrechen. Doch irgendwie hat uns dieses Frühstück ausgewechselt: Wir waren wieder gestärkt, das morgendliche Schweigen war gebrochen und das Tempo war auch wieder da.
Ruhestein, Schliffkopf und das Tempo wurde immer höher. Schliffkopf 10:30 - Zuflucht schaffen wir! Plötzlich waren wieder viele Sonntagsausflügler unterwegs, die Grüßrate nahm spunghaft ab, wir zogen durch. 12:00: Ankunft Zuflucht. Mittagessen auf der Hotelterasse: Hunger? Geschafft! Coole Aktion, Fortsetzung folgt!
 
Ausbeute:
  • 68 km (ohne die Essenssuche in Forbach)
  • 2700 hm (laut alpenvereinaktiv)
  • 24h - Gehzeit: ca. 17h (inkl. kleiner Pausen)

Montag, 17. November 2014

Zurück in der Heimat

Wir sind wieder in Deutschland - wie schön, zu Hause zu sein, denn hier gibt es:
gutes Brot (und Brezeln)
frischen Kaffee aus echten Bohnen
Fleischloses Essen
Ruhe
Klopapier und kann dieses auch in der Toilette entsorgen
geordneten Straßenverkehr
Straßen ohne Schlaglöcher
Jahreszeiten
und außerdem kann man
einfach Zähne putzen
Hahnwasser trinken
ohne Sonnencreme und Hut aus dem Haus
die Nase bedenkenlos riechen lassen

Andererseits nehmen wir viele sehr schöne Erinnerungen mit aus einem Land, das so vielfältig ist, dass man wirklich eine lange Zeit braucht, es richtig zu bereisen:
Machu Picchu
Cordillera Blanca
Ceviche
Mate de Coca
so viele leckere Früchte, deren Namen ich mir immer noch nicht merken kann
frische Avocado
in Tücher gewickelte Kinder auf dem Rücken der Frauen
die Hilfsbereitschaft der Peruaner
Super-VIP-Bus

Und das war der Urlaub in Zahlen:
42 Urlaubstage
22.000 km im Langstreckenflugzeug
1.100 km Inlandsflug
4.850 km im Bus = 73h
215 km zu Fuß
10 verschiedene Hostels
0 m.ü.NN tiefster Punkt der Reise
4910 m.ü.NN höchster Punkt der Reise

Samstag, 15. November 2014

Wieder was zu Feiern

Super-VIP
Nachtbusfahren ist schon sehr speziell - wir waren diesmal Super-VIP oder wahrscheinlich fuhren wir nur in dieser Klasse zurueck nach Lima. Vorstellen kann man sich darunter Liegesitze wie in einer Businessclass eines Interkonti-Fluges. So sollten wir eigentlich gut schlafen koennen, dachten wir. Es gab nur ein paar kleine Hindernisse: der nicht vorhandene Sauerstoff in der Luft, die sehr kurvige Strasse zu Beginn sowie die schon bekannten zu lauten Filme. Aber ansonsten waren die paar Stunden Nachtruhe ein Erlebnis und das besondere war, dass sie in Anjas Geburtstag endeten. Da die Stewardess neben Zachi und Sven ganz vorne sass, musste das persoenliche Fruehstueck fuer das Geburstagskind leider bis zum Terminal in Lima warten, aber hier liessen wir es uns nicht nehmen, die Kerzen auf dem Kuchen anzuzuenden. Bis wir dann mit Gepaeck holen und Verkehrschaos Lima im Hostel in Miraflores angekommen waren, war es bereits 11.30 und unsere Zimmer waren zum Glueck bereits fertig, so dass der Dusche nichts mehr im Wege stand - ein echter Genuss nach Nachtbusfahrt zu duschen :-)
Den Nachmittag verbrachten wir mit Kaffee trinken, bummeln und Kuestenspaziergang.
Zur Feier des Tages wollten wir natuerlich nicht wie gewoehnlich um 9 Uhr ins Bett, sondern probierten nach einem spaeten Abendessen noch zwei Bars aus - so konnte Anja ihren Geburtstag auch in dieser Zeitzone bis zum Schluss auskosten. Jetzt sind unsere Rucksaecke gepackt und uns bleiben noch ca. 12h in Peru.... mal sehen, was uns noch so einfaellt....

Donnerstag, 13. November 2014

Shithead

Um viertel vor fünf klingelte der Wecker. So früh sind wir freiwillig sonst nur auf Trekkingtouren aufgestanden. Heute sollte es aber zum schwimmen gehen. Schließlich kannten schon die Inka die heilenden Kräfte des Thermalwassers. Nachdem Svens Reiseführer empfohlen hat, diese Erlebnis sei am Besten morgens um 5, wenn die Sonne aufgeht, stand der Entschluss schnell fest.
Der Chef des Hauses erwartete uns auch um fünf, leider aber kein Taxi. Dafür durften wir mit ihm noch 15 Minuten durch die leeren Straßen bis zur Hauptstraße laufen. Hier ließ sich dann auch leicht ein Taxi finden, dass uns zu den Banos del Inca brachte. Das mit dem Taxiservice fürs Hostel ist eben auch noch nicht so ganz eingespielt.
Bei den Banos angekommen, entschieden wir uns für ein Ticket für das normale Schwimmbecken. Vom Eingang konnte man schon die dampfenden Becken sehen. Wir wollten ja das einmalige Erlebnis den Sonnenaufgang aus diesen dampfenden Becken beobachten. In einer privaten Badewanne in einem geschlossenen Raum wäre das schließlich nicht möglich. Wie immer hatte aber auch das einen Haken. Die dampfenden Becken die man vom Eingang sehen konnte, waren nur zur Zierde. Das eigentliche Becken war abgeschlossen und glich dann doch eher einem ganz normalen Sportschwimmbecken, nur das Wasser war etwas wärmer. Nachdem wir dort einige Zeit rumgedümpelt sind und die Peruaner beim schwimmen beobachtet haben (braucht noch viel Übung) wurde es doch kühl. Der nette Bademeister, gekleidet in Daunenjacke und Mütze, war so nett eine private Badewanne für uns zu organisieren ohne das wir bibbernd draußen an der Kasse stehen mussten. So genoßen wir noch eine halbe Stunde das richtig warme Wasser bevor es zurück zum Hostel ging.
Hier erwartet uns erneut ein traditionelles Frühstück. Als ersten Gang gab es eine Getreidesuppe. Allerdings schwamm in dieser eine Schwarte, mit Borsten dran. Das war jetzt nicht so unbedingt was ich zum Frühstück brauch, selbst nach einem Schwimmausflug. Als nächstes gab es Brötchen mit Avocado. Dazu serviert wurde eine Tasse mit Avena in Milch serviert. Eher Porridge entsprechend, wenn auch etwas flüssiger, war dies eher ein reichhaltiges Getränk, Essen trifft es besser. Dazu gab es noch einen Annanassaft. Natürlich nicht einfach so, sondern mit Quinoa drin und ganz viel Zucker. Somit hatte das ganze schon eher eine Puddingkonsistenz und war auch eher ein Essen als ein Getränk.
Dermaßen gut gestärkt machten wir uns auf den Weg, die Stadt noch ein wenig zu erkunden. Es folgten mal wieder eine Menge Kirchen, ein netter kleiner Aussichtshügel und ein weiteres archäologisches Highlight. Wir besichtigten den Raum, den der letzte Inkakönig Atahualpa mit Gold und Silber füllen ließ um sich beim spanischen Eroberer Pizarro freizukaufen. Vergebens! Der Raum ist, wie soll man sagen, ein Raum ohne Haus drum rum. Wir sind uns nicht sicher, ob dieser wichtige historische Ort einfach nicht besonders spektakulär ist, oder ob wir inzwischen so viel gesehen haben, dass wir alles nur noch mit Schulterzucken registrieren.
Nachdem wir eine ganze Weile von einem kleinen Hügel auf die Stadt hinab geschaut hatten, ging es zum Mittagessen. Dabei erwischte Sven leider das schlechteste Gericht. Erst kam es nicht und wir waren schon fertig und anschließend bekam er das falsche Essen.
Um den Nachmittag bis zur Abfahrt unseres Buses rum zu bringen gab es noch ausgedehnte Runden Shithead und jede Menge Kuchen. Jetzt sind wir voll gefressen und können uns auf 14 Stunden Nachtbusfahrt nach Lima vorbereiten. Wir hoffen auf wenig Verspätung.

Märchen und Gauner

Caldo Verde
Das es einem, nachdem wir nun seit fast 6 Wochen durch Peru gereist sind und uns die dortigen Gepflogenheiten gar nicht mehr so fremd sind, noch einmal so aus dem Konzept bringen kann, hätten wir wohl nicht gedacht. Aber fangen wir mal beim Frühstück an.
Heute gab es eine für die Region Cajamarca typisches Frühstück - Caldo Verde.
Wir bekamen also diese klare, dampfende Suppe serviert in der ein wenig Ei und ein paar Kartoffelstückchen schwammen. Dazu gab es auf einem Teller eine grüne Kräutersoße. Diese wurde in die Suppe eingerührt, was zu einer giftgrünen Brühe führte. Schmeckte aber tatsächlich ganz gut. 
Nach dem Frühstück ging es auf unsere morgendliche Tour zu den Cumbe Mayo. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Felsentürmen, eine heilige Stätte der Inka. Unser Guide redete gleich begeistert los und verteilte jede Menge historisches Wissen, vieles ausgeschmückt mit dem was die Inka so dachten. Wie sich bald herrausstellte hatten wir einen richtigen Experten, der schon ein Buch über die Inka, ihr Leben und ihren Glauben geschrieben hat. Zuweilen ein wenig schwierig für uns zu entscheiden, was wir unter historisches Wissen und was wir unter Meinung unseres Guides einordnen sollten. Gemeinsam mit unsere Gruppe machten wir einen kleinen Spaziergang (angekündigt als zweistündige Wanderung) durch diese Felsformationen und -nadeln. Um das Wasser von diesem heiligen Ort nach Cajamarca zu bekommen, hatten die Inka ein Aquädukt gebaut. Dabei kreuzt dieses Aquädukt die Wasserscheide des Kontinents. Damit das gelingen konnte, ist die Steigung diese Wasserkanals so gering, dass es heute eher einem stehenden Gewässer gleicht. Wir haben es also lieber bleiben lassen dieses heilige Wasser zu trinken
Cumbe Mayo
Der Nachmittag war verplant mit einer weiteren Tour zu den Felsengräbern der Cajamarca-Kultur. Hier wurden kleine Nischen in den Fels geschlagen in dem die mumifizierten Leichen bestattet wurden. In den so unversehrten Körper konnte die Seele später wieder zurück kehren. Während unser Guide (der gleiche wie am Morgen) dem spanisch sprechenden Teil der Gruppe alles erklärte, wurden wir von einer Grupppe Schüler gestürmt. Wir brauchten einen Moment um zu begreifen, dass sie Fotos mit uns wollten. Wir haben uns also nett aufgestellt und gelächelt während die nächsten 10 Minuten vor uns verschiedene Gruppen von Peruanern standen um sich fotografieren zu lassen. Wir hatten ja schon länger das Gefühl, dass manchmal mehr wir angestarrt werden als andersrum. Leider haben wir vergessen pro Foto auch einen Soles zu verlangen, so wie es die ganzen Frauen machen, die man mit Schaf oder Lama fotografieren soll.
Die Besichtigung der Felesengräber dauerte nicht so lange. Um eine solche Tour gut verkaufen zu können, gab es also noch weitere Highlights wie einen Hortensiengarten und eine Käsefabrik. Das waren ganz großartige Erlebnisse!
Zurück im Hotel gab es dann noch eine kleine Überraschung. Unserem Hostelchef war wohl aufgegangen, dass bei dem Preis, dem er gestern zugestimmt hat, nichts mehr übrig bleibt. Plötzlich sollte also unser Zimmer mit den Touren doppelt so viel kosten und er wollte uns weiß machen, dass wären pro Person Preise. Was folgte war eine Diskussion, von über einer Stunde, nur möglich durch Zachis Spanischkenntnisse. Beide Seiten gaben etwas nach und wir sind jetzt zwar entnervt, aber bei einigermaßen akzeptablen Preisen.

Mittwoch, 12. November 2014

Einfach Peru

Heute ging es mit dem Bus also von Trujillo nach Cajamarca. Um zehn Uhr fuhr unser Bus ab und sollte in 6 Stunden ankommen. Inzwischen wissen wir ja schon, dass so etwas im Normalfall schwierig ist. Es ging eine ganze Weile an der Küste entlang, wobei hier an großen Teilen der Straße gebaut wurde. Dadurch wurden wir natürlich nicht gerade schneller. Nach einiger Zeit zweigten wir dann ins Landesinnere ab und gewannen langsam wieder an Höhe. Der Bus in dem wir diesmal unterwegs waren ist leider komplett mit Werbung beklebt. Also ähnlich wie bei uns wenn die Fenster beklebt sind mit löchriger Folie. Wenn man ehrlich ist kann man dabei aber nicht wirklich viel raus schauen.
Kurz vor zwei gab es dann einen Stopp zum Mittagessen. Inzwischen muss ich zugeben, freue ich mich doch wirklich auf normales Essen. Da ich nicht so der Fan bin, wenn man Fleisch vom Knochen knabbern muss, wird es Zeit für nicht peruanisches Essen. Aber die Anderen haben ihre Hühnersuppe genossen.
Nach diesem Stopp ging es weiter bergauf und durch viel Regen. Die peruanischen Straßen sind dabei in jedem Ort mit Straßenhubbeln ausgestattet. Diese Wellen im Boden sind extrem gut zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Sie sind im Normalfall so steil, hoch und kurz, dass die Autos davor zum stehen kommen und trotzdem oft aufsetzen. Gestern waren wir in einem sehr kleinen Taxi unterwegs. Dabei setzte der Fahrer so deutlich auf, dass wir hinten an den Füßen spüren konnten, wie es den Unterboden hochdrückte. Bei Bussen führen diese Hubbel meist nur zu abrupten Bremsmanövern. Auch wenn der Sinn natürlich klar ist, nerven sie doch erheblich auf jeder Fahrt.
Wir erreichten schließlich um kurz vor sechs, statt um vier Uhr Cajamarca. Das Taxi hier brachte uns direkt zu unserem Hostel. Das Hostel gehört allerdings wieder in die Kategorie 'Erlebnis'. Aktuell wird noch renoviert. Das führt dazu, dass bei Sven und Zachi im Bad in der Außenwand ein Loch klafft. Vernünftiges Lüften im Bad ist ja auch wichtig und beugt Schimmel vor. Der aktuelle Besitzer macht das Ganze seit drei Monaten. Da gibt es einfach noch viel, was sich einspielen muss. Zum Konzept des Hauses gehört, das sie sämtliche Taxifahrten und auch unsere gebuchte Tour für morgen bezahlen. Da sie aber noch nicht selber als Touragency tätig sind, muss man die Tour in der Stadt buchen. Dafür ist der Besitzer also mit uns in die Innenstadt gelaufen zu einer Agency. Wir haben rausgesucht was wir morgen machen wollen. Er hat bezahlt. Dafür muss man eben auch mal Löcher in der Wand hinnehmen!
Plaza de Armas, Cajamarca
Zum Abendessen ging es dann noch in ein landestypisches Restaurants. Hier gab es für Sven ein echtes Highlight - Cuy. Bei uns eher als Haustier gepflegt, gilt Meerschweinchen hier als echte Spezialität. Nicht wirklich viel dran an so einem Cuy. Sven war hier mehr mit dem Ablutschen der Kochen beschäftigt. Auch wenn es wohl nicht schlecht geschmeckt hat, wird es wohl doch bei dem einen Erlebnis bleiben.
Zum Abend kauften wir noch ein Bierchen. Diesmal bekamen wir das auch tatsächlich, ganz im Gegensatz zu gestern. Da hatte Sven versucht eine große Bierflasche zu kaufen. Die wollte die Verkäuferin aber nicht rausgeben wenn er nicht zum Tausch eine Leere zurück brachte. Das Rätsel, wie man bei diesem Konzept an seine erste Bierflasche kommt,
konnten wir leider bisher nicht lösen.