Mittwoch, 11. Mai 2016

Firn zum Abwinken

Stormheimfjellet
Was wünscht man sich mehr als kurze Anfahrt, Sonne, breite Hänge und tollen Schnee zum Abfahren? - Das ganze mit Blick aufs Meer :-) Alles kein Problem....
Martin und ich sind für eine Woche in den hohen Norden aufgebrochen, da wo Anja nun heimisch ist. Eigentlich sollte Anfang Mai rund um Tromsø und in den Lyngsalpan noch genügend Schnee liegen um schöne Skitouren gehen zu können. Dieses Jahr war es seit Mitte April sehr sonnig und eine stabile Hochdrucklage sorgte für hohe Temperaturen. Aber bekanntlich geht immer mehr als man denkt und so war es auch diesmal.
Am Sonntag war erstmal mit dem Gebiet anfreunden angesagt. Anja hatte eine Tour im Hinterland ausgesucht, Starthöhe: 130m - da sollte auf alle Fälle noch genügend Schnee liegen. Und genauso war es. Der obligate Birkenwald war hier leicht zu durchqueren und danach warteten breite, flach geneigete Hänge bis zum Gipfel des Stormheimfjellet (1181m). An die Abfahrt hatten wir alle keine großen Erwartungen, der Schnee sah hart und zerpflügt aus. Er ließ sich aber trotzdem ziemlich gut fahren und die kleine Variante (etwas früher als im Aufstieg Richtung Osten abbiegen) bescherte uns einen unverspurten Pulverhang im idealen Skigelände - und das mit Blick auf den Fjord. Nun war ein fettes Grinsen auf unseren Gesichtern zu erkennen, das auch die nächsten Tage anhalten sollte.
Abfahrt direkt ins Meer
Montag musste Anja leider arbeiten und so sind Martin und ich in die Lyngsalpan aufgebrochen.
Durch die Anfahrt mit Fähre und Kartenkauf in Lyngseidet war klar, dass wir nicht sonderlich früh auf Skitour kommen werden. Also suchten wir eine kurze Tour. Der Rønestinden (1041m, Start in Lyngseidet) war unser Ziel. Doch da der Schnee doch schon ziemlich abgenommen hatte ging nur noch die linke Aufstiegsvariante Richtung  Kavringstinden, die deutlich länger war und so waren wir trotz der nur 1000hm lange unterwegs. Vor allem hatten wir uns hier im Birkenwald, der deutlich dichter war als gestern, ziemlich verfranst.... Immerhin konnten wir ohne einmal die Ski abzuschnallen aufsteigen - das war aber sicher einer der letzten Tage an dem dies möglich wäre.... Auf halben Weg stand eine wunderbare Hütte am fast perfekten Ort mit Blick auf den Fjord. Hier weiterzulaufen waren wir kurzfristig beide unmotiviert, zum Glück wollte das keiner so richtig zugeben. Die restlichen 400 hm den Hang hinauf waren wir schnell und wie wurden wir belohnt! Eine geniale Rundumsicht und der Genießer-Firnhang hinab zu Hütte (ich schwärme heute noch von dieser Abfahrt). Die restliche Abfahrt war sehr lustig, da sich immer die Frage stellte, wie und wo kommen wir genau durch ohne Abzuschnallen - aber wir haben den perfekten Weg gefunden :-)
Rønestinden
Am Dienstag planten wir auf den Rissavarri (1251m) auf der anderen Fjordseite zu steigen. Als wir das erste Mal einen Blick auf den Hang werfen konnten, war klar, hier geht nicht mehr viel, also entschieden wir noch etwas weiter nach Norden zu fahren und den Storhaugen (1142m) in Angriff zu nehmen. Hier hatten wir auch Glück und fanden ab dem Friedhof von Bjørkli Schnee. Die Route durch den Birkenwald war teilweise so eng, dass wir uns schon fragten, ob man wohl auch anderswo abfahren könne. Heiß war es und so machten wir einen auf norwegisch und zogen sowohl Hose als auch T-Shirt aus. Hier waren noch ein paar mehr Leute unterwegs - dieser Berg scheint auch ein beliebtes Ziel kommerzieller Anbieter zu sein, da wir aber nicht vor Mittag starteten, waren wir alleine am Gipfel und genossen sowohl die Aussicht, wieder mal in alle Richtungen wie auch die Firnabfahrt....
Das war es dann leider mit dem schönen Wetter und einige heftige Regenschauer zogen durchs Land. Man konnte dem Schnee quasi beim Schmelzen zu schauen. Trotzdem wollten wir es Ende der Woche noch mal versuchen. Diesmal mit einem Ziel auf Kvaløya.
Auf den Storstolpan (974m) wollten wir. Dieser Berg liegt ziemlich nahe am offenen Meer und der Startpunkt ist mit ca 200m etwas höher als die anderen Ziele. Das Wetter war nun durchwachsen und Sonnenschein, Wolken und Regen wechselten sich schnell ab. Die Tour führt über eine Moräne zu einem Karsee und von dort über einen steilen Hang (~35°) Richtung Gipfel. Leider war der Schnee durch den starken Regen des Vortags ziemlich durchweicht. Lange diskutierten wir, ob wir den steilen Hang begehen können ohne ins Eiswasser zu fallen oder ob wir lieber die Finger davon lassen sollten. Letztendlich hat die Vernunft und Faulheit gesiegt und wir haben eine schöne Pause mit offenem Meerblick gemacht bevor wir die letzten Schwünge der Saison genossen.
Kvaløya
Was ist mein Fazit? Ein schönes Tourengebiet mit vielen Angeboten - von leichten und schönen Hängen bin hin zu alpinen Abenteuern lässt sich dort alles finden und das ganze ziemlich stressfrei - der Schwede würde sagen "Tar det lungt"