Dienstag, 15. November 2011

Saisonbeginn - Saisonende

Zum Saisonende haben wir es dann doch noch geschafft, die
Saison zu starten. Aufgrund von ungünstigen Konstellationen wie schlechtem Wetter und ausgebuchten Wochenenden gab es diesen Sommer nie die Möglichkeit eine Hochtour zu gehen. Aber der September zeigte sich noch einmal von seiner traumhaften Seite und so ging es am ersten Oktober -Wochenende in die Silvretta und am 3.Oktober noch einen Tag zum klettern in die Tannheimer (liegt ja fast auf dem Weg!).
Am Freitagabend ging es also Richtung Bielerhöhe. Anscheinend hatte der Rest von Baden-Württemberg auch den Wetterberichtgelesen und auf dem Kalender gesehen, dass der Montag frei ist. Dementsprechend zäh ging der erste Reiseabschnitt vor sich und bis wir endlich auf der Wiesbadener Hütte ankamen war es bereits halb 12. Dafür wurden wir auch um diese Uhrzeit noch mit viel Begeisterung von der Kellnerin empfangen.
Am Samstagmorgen ging es dann Richtung Dreiländerspitze. Ansa und ich kannten die Tour bereits, aber so ein Minigletscher war genau das richtige für Sven, um das erste Mal Steigeisen an den Füßen zu haben. Viel Gletscher gab es dann auch wirklich nicht zu überqueren bevor es auf den Grat ging. Der war dafür schneefrei und gut zu begehen. Da, wie immer alle anderen Richtung Piz Buin rannten, hatten wir den Gipfel fast für uns und bei Windstille und strahlend blauem Himmel genossen wir den Blick über Ortler und Bernina bis zum Tödi. Am Nachmittag wurde die Hütte dann richtig voll. Immerhin die letzte Nacht, die sie offen hatte. Am nächsten Morgen reihten wir uns dann auch auf dem Weg zum Piz Buin ein. Wir waren zum Glück ganz vorne dabei und es ging auch wirklich gut voran. Die Flüsse waren relativ trocken und somit kein Hindernis. Der Gletscher zwar recht aper und zum Teil gab es spannenden Spaltenbrücken, aber so früh gut zu meistern. Somit waren wir recht zügig in der Buin Lücke.
Bis zum Kamin war das Gehen auch hier problemlos. Das erste Stück hatten wir die Steigeisen noch an, dann wurde es aber immer schneefreier. Leider hatte dann nur der Kamin vereiste Stellen drin und war somit ein bisschen gehampel zum hoch kommen. Danach ging es aber wieder problemlos über Schotter zum Gipfel. Hinter uns wurde es immer voller. Und so blieben wir heute nicht lange auf dem Gipfel, sondern schauten, dass wir zügig runter und durch den Kamin kamen. Die Dreiergruppe die nach uns dort runter mussten, brauchte schon eine halbe Stunde länger als wir, weil gleichzeitig so viele Leute hoch wollten.
Bis zur Hütte über den Gletscher zurück war es dann richtig warm und problemlos. Zurück zum Auto war es wie immer zäh bis man endlich um den Stausee rum war. Insgesamt aber ein schöner Hochtourenabschluss.
Damit war unser Wochenende aber noch nicht rum. Wir wollten den freien Montag noch für eine Klettertour nutzen und da die Tannheimer ja fast auf dem Weg liegen, machten wir uns am Sonntagabend noch auf den Weg dorthin. Bis unser Zelt auf dem Campingplatz stand war es doch schon reichlich spät und nach einer Pizza fielen wir todmüde ins Bett und fragten uns wer bitte auf diese dumme Idee gekommen war.
Am nächsten Morgen stiegen wir bei schöner Nebel-Herbststimmung zum Gimpelhaus auf. Von den letzten beiden Tagen doch schon etwas müde, entschieden wir uns für einen echten Klassiker, den Hüttengrat. Auch hier waren wir nicht alleine unterwegs, aber nachdem sich die Seilschaft vor uns schon beim Einstieg für einen Rückzug entschied, hatten wir niemanden vor uns. Trotz Dreierseilschaft waren wir recht zügig unterwegs und konnten noch einmal einen traumhaften Spätsommertag in den Bergen genießen.
Nach rasanter Abseilfahrt ging es noch für ein Stückchen Kuchen zum Gimpelhaus bevor wir uns mit all den Leuten, die dieses wunderbbare verlängerte Wochenende genutzt hatten, über die Autobahn zurück quälten. Dafür mit netter Unterhaltung, denn zum Nationalfeiertag gab es im Radio nur deutsche Lieder.

Donnerstag, 29. September 2011

Kungsleden

Der kurze Aufenthalt in Stockholm war wie als ob man nie weg gewesen wäre… und die darauf folgende Nachtzugfahrt in den Norden war wie immer unterhaltsam und die richtige Einstimmung auf die Tour. Der Leitspruch des Schweden „Tar det lugnt“ zeigte sich hier par excellence. Nachdem wir endlich in Abisko angekommen waren, packte ich meine Sachen fertig und machte mich direkt auf den Weg. Für den ersten Tag hatte ich mir eine kurze Etappe ausgewählt: ich wollte an den Abiskojaurestugor übernachten, da wildes Zelten im Nationalpark nicht erlaubt ist.

Das Gelände war sehr flach, große Teile des Weges führten durch Birkenwäldchen, die sollten lange die einzigen Schattenspender bleiben. Schnell war ich 15 km gegangen und wurde von einem sehr netten Stugvärd empfangen. Nachdem ich eine warme Mahlzeit zubereitet hatte, blieb noch ein langer Abend vor mir. Irgendwann vertrieben mich allerdings die Mücken ins Zelt. Dunkel wurde es sowieso nicht, also entschied ich mich einfach mal zu schlafen.
2. Tag
Dementsprechend früh war ich wach, frühstückte gemütlich, ließ mein Zelt von der Sonne einigermaßen trocknen und machte mich auf den Weg. So früh war ich ziemlich alleine unterwegs. Vom Wetter her hatte ich Glück – kaum eine Wolke am Himmel. Der Weg war durchwegs gut markiert. Nach kurzer Wegstrecke verließ ich den Abisko Nationalpark und kam damit ins Kalfjäll, den wie ich finde, interessanteren Teil der Landschaft. Vorbei an Samendörfern und dem großen See Radujarvi kam ich gegen 15:00 an den Alesjaurestugor an. Heiß war es und so kaufte ich dort eine Dose Cola, was mich für einen kurzen Moment zurück in die Zivilisation brachte. Eine Waage auf der Hütte erklärte mir,
warum mir der Rucksack so
schwer vorkam: 19kg – den Luxus des Zweimannzeltes musste ich eben schleppen… Laut der Hüttenwirtin sollte das Wetter schlechter werden, aber sie sagte, dass sollte es auch schon die Tage zuvor – nehmen wir es wie es kommt. Daran hielt ich mich und setzte meinen Weg nun mit Begleitung eines anderen Alleinwanderers fort. Kurz vor dem Aufschwung zum Tjäktapass schlugen wir unsere Zelte auf, es war mit gut 30 km bei dem schweren Rucksack genug für heute. Wieder vertrieben mich Abends die Mücken ins Zelt und diesmal schlief ich einigermaßen gut, auch wenn die fehlende Dunkelheit einem das Gefühl eines leichten Schlafs vermittelt.
3.Tag
Den Weg setzte ich alleine weiter fort – ich wollte nicht immer warten, sondern meinen Weg für mich fortsetzen. Zum Tjäktapass galt es die einzige nennenswerte Steigung zu überwinden. Oben war es ziemlich kahl – selbst die Wiesen waren mehr mit Steinen als mit Gras übersät. Kurz vor dem Pass überquerte ich einige Schneefelder. Heute war das Wetter leider nicht mehr ganz so gut wie in den letzten Tagen, am Pass blies es ordentlich und wir waren in Wolken gehüllt.

Ich wärmte mich in der Schutzhütte kurz auf und begegnete noch einer großen Rentierherde. Nach dem Pass öffnete sich der Blick ins Tjäktajåkka, dieses Tal zieht sich lang hin. Im ersten Moment fand ich dies den entmutigendsten Teil des Weges: So viel war noch vor einem, immer im gleichen Trott. Doch je weiter ich kam, desto mehr genoss ich das gemütliche laufen. Ich hatte mir über die ganze Tour einen Rhythmus gewählt, ca. 1 h laufen, dann kurze Pause mit Rucksack absetzen und etwas trinken usw. Allmählich machten sich meine Füße bemerkbar und fingen an zu Schmerzen. So war ich froh als ich an der Sälkastuga ankam und mir noch mal eine Cola gönnte. Der Hüttenwirt hat mich in der Zeit gut unterhalten – irgendwie sind die Wirte hier deutlich offener als in den Alpen. Aber auch diesmal setzte ich den Weg weiter fort und entschied nach langen Überlegungen, nicht über Singi zu laufen, sondern die Abkürzung zum Kebnekaise zu nehmen.

Kurz vor dem Übergang schlug ich mein Nachtlager auf, hier hatte ich endlich wieder Wasser und meine Füße wollten nicht mehr weiter, waren schließlich wieder 30 km gewesen. Außerdem hatte ich einen herrlichen Blick zurück auf die Sälka und das Tjäktajåkka. Es bot sich ein interessantes Wolkengebilde, kurzfristig sah es sogar nach einem Gewitter aus, das sich aber glücklicherweise wieder verzog. Nur noch gute 30 km und ich müsst ein Nikkaluokta ankommen. Eigentlich taten mir meine Füße schon so weh, dass ich nicht wirklich weiter wollte, aber was hatte ich für eine Alternative. Der Weg zur Kebnekaise Fjällstation zog sich in die Länge. In der prallen Sonne schwitzte ich entsetzlich. Allmählich änderte sich auch die Vegetation zurück zum Birkenwäldchen, was die Situation nicht großartig anders machte. Gegen Mittag erreichte ich endlich die Fjällstation. Nach einer kurzen Pause ging ich weiter – 19km bis ins Dorf. Meinen ursprünglichen Schnitt mit Pause nach einer Stunde und ca. 5 km pro Stunde hielt ich schon lange nicht mehr – ich war froh, wenn ich eine halbe Stunde laufen konnte. Irgendwann zog ich meine Schuhe aus und ging mit meinen Watschuhen, die ich vorsichtshalber eingepackt hatte, weiter. Dies ging anfänglich sehr gut, doch der schwere Rucksack machte sich dadurch weit mehr bemerkbar. Außerdem waren die Mücken heute so bissig, dass auch alles Mückenspray nicht mehr half.
Vom Tal zog auch ein Wetter auf und so entschloss ich, als ich endlich am Laddjujavri war dort unten zu zelten. Dort gönnte ich mir auch den bekannten Renburger von Lap Dånalds. Die Mückenplage war kaum noch auszuhalten und so verzog ich mich schnell ins Zelt, dass ich in neuer Rekordzeit aufgebaut hatte, denn der Wind war so stürmisch, dass es jede Minute zu regnen beginnen konnte. Das hat es dann allerdings erst mitten in der Nacht.
Am nächsten Morgen war ich wieder sehr früh wach, aber ich wollte schließlich den Morgenbus in Nikkaluokta erreichen, und 5 km lagen noch vor mir. Die schaffte ich auch wie gewohnt in einer Stunde, doch ich war froh, am Ziel zu sein.
Was nehme ich von dieser Tour mit: Einen total zerstochenen Rücken, die Gewissheit, dass ein 19kg schwerer Rucksack auf Dauer kein Pappenstiel ist, die große Freiheit, die sich durch ein Zelt ergibt und die Erinnerung an die unglaublich freundlichen Menschen, die ich auf meinem Weg getroffen habe.
  • Lantmäteriets Fjällkarta BD6 Abisko – Kebnekaise – Narvik

Sonntag, 24. Juli 2011

Island

Der kälteste Frühling seit 60 Jahre.... Alle Hochlandstraßen im Juni gesperrt....
Daher haben wir spontan unsere Reiseplanung geändert....

Blaue Lagune
Erdspalte


Strokkur

Donnerstag, 9. Juni 2011

Und täglich grüßen die Tannheimer…

…naja, nicht ganz. Da das lange Wochenende kein stabiles Hochtourenwetter versprach, verkürzten Evi und ich den Ausflug und gingen stattdessen klettern in den Tannheimern. Die Wetterlage war ziemlich instabil und nachmittags waren Gewitter angesagt, das bedeutete frühes Aufstehen.
Mit Glück bekamen wir noch einen Platz im Gimpelhaus, so mussten wir nur einmal aufsteigen. Nachdem wir eine Übernachtungsmöglichkeit hatten, gingen wir direkt weiter zur Morgenstund (5+) am Gimpelvorbau. Den Einstieg haben wir leicht gefunden, zu Beginn gibt es ein Grasband und direkt danach einen kurzen Überhang. Insgesamt ist die Route sehr abwechslungsreich, mal schön strukturierter Fels, mal plattig, aber immer gut kletterbar und dank der vielen Haken auch für den Kopf entspannend :-). Vom letzten Stand führt direkt ein Fixseil zum ersten Abseilstand. Der zweite Abseilstand ist, wenn man zu weit nach rechts abseilt, schwer zu erreichen, aber mit ein bisschen pendeln und zittern kommt man schon hin. Als wir wieder am Einstieg waren, hatte es auch bereits zugezogen, so haben wir das genau richtig getimt.
Am Sonntag wollten wir uns die FöVe (5+) am Hochwiesler anschauen und direkt am Einstieg entscheiden, ob wir einsteigen. Laut Topo ist diese nicht so gut abgesichert wie die Morgenstund, allerdings ist die Schlüsselseillänge direkt am Anfang. Da Evi partout nicht vorsteigen wollte, fiel diese Rolle heute auch wieder mir zu. Die erste Seillänge sah gut gesichert aus und so entschieden wir uns, es zu versuchen. Die erste Seillänge war zu Beginn eine schöne Platte mit der überraschenden Erkenntnis meinerseits, wo man überall stehen kann. Trotzdem war es mehr ein Hochzittern :-). Vom Stand aus sah die zweite Seillänge besser abgesichert aus, als im Topo vermerkt. Lediglich im zweiten Teil der Seillänge hatte ich mit der Wegfindung ein paar Probleme, da gab es wenig Haken und den Standplatz fand ich sehr spät links versteckt. Der Stand nach der dritten Seillänge ist auf einem Plateau, mit bester Aussicht und viel Platz zum Verweilen. Wir jedoch stiegen nach einer kurzen Pause weiter, im Lechtal quollen schon wieder die Wolken. In der vierten Seillänge wird die Absicherung äußerst dürftig. Zu Beginn konnte ich noch einen Keil sowie eine Sanduhr nutzen, nach dem zweiten Haken ging es aber ohne Sicherung bis zum Stand (das waren ca. 20m). Zum Glück ist das Gelände hier im 4er Bereich. Der Ausstieg aus der Route ist schwierig zu finden, am besten nach dem letzten Stand kurz hoch und dann links, hier befinden sich zumindest 2 Haken, außerdem kann man noch einen Keil unterbringen. Oben angekommen wird es schön flach und grün. Der Abseilstand ist vom Ausstieg links direkt sichtbar. Bei dieser Abseilpiste hängt man plötzlich ganz frei, mit bester Aussicht. Der zweite Abseilstand versteckt sich hinter einem verdorrten Baum.
Da das Wetter bereits stark gewittrig aussah, obwohl es erst zwei Uhr mittags war, entschieden wir nach einer Vesperpause in der Wiese zum Gimpelhaus zurückzukehren und gemütlich abzusteigen. Als wir unten am Parkplatz standen, war es über dem Tannheimer Tal auch schon ganz schwarz. So hatten wir ziemlich viel Glück mit dem Wetter und alles in allem war es mal wieder ein sehr schönes Wochenende.
  • Kletterführer Allgäu (Panico)

Freitag, 3. Juni 2011

Ultima Ratio

Uns gibt es noch und der Blog lebt auch noch :-) Doch im Winter gab es nicht viel zu berichten, außer ein paar wenigen gemütlichen Skitouren meinerseits und einem gemeinsamen Wochenende im Sellrain fiel die Saison für uns leider aus.
Dafür sind wir schon seit längerem in die Klettersaison gestartet. Am Sonntag war ich mit Franzi, Kerstin, Jörg und Andi in den Tannheimern zum Klettern. Unser Ziel war der Sebenkopf/Ultima Ratio (5+). Zustieg erfolgte von Grän über das Füssener Jöchle und dann weiter querfeldein durch Latschen und steile Grashänge zum Sebenkopf. Jörg und Andi stiegen als erste in die Route ein. Danach folgte Franzi, Kerstin und ich stiegen nach. Wir alle hatten in dem zweiten Teil der ersten Seillänge zu kämpfen. Die zweite Seillänge hatte schöne von Wasser zerfurchte Platten parat, am Ende der dritten Seillänge gab es noch mal eine schwere Stelle, während die letzte Seillänge im Kamin relativ einfach zu meistern war. In den entscheidenden Stellen sind jeweils Schlingen vorhanden, auch sind alle Ständehaken mit Schlingen verbunden – hier scheinen sich schon einige Seilschaften zurückgezogen zu haben, was aber auch bei dieser Bewertung nicht weiter verwunderlich ist. In der aktuellen Auflage des Panicoführers ist diese Route übrigens mit 6+ bewertet – was deutlich realistischer erscheint.
Am Gipfel haben wir erst unsere kümmerlichen Vorräte an Wasser und Gummibärchen vernichtet, schließlich haben wir ziemlich lange gebraucht, bis wir alle oben waren, bevor wir uns auf die Suche nach dem Abseilstand machten. Diesen findet man links vom Gipfel und besteht aus drei Bohrhaken, die sehr versteckt liegen. Auf dem Weg zum Abseilstand kann ein einzelner Bohrhaken als Zwischensicherung verwendet werden, dieser befindet sich direkt vor dem senkrechten Aufschwung. Wieder unten angekommen stapften wir über das Geröllfeld und die Wiesen zurück zum Füssener Jöchle, und von dort an ging es bergab zum Auto.
Alles in allem eine schöne, einsame Tour mit ein paar Überraschungen :-)
  • Kletterführer Allgäu (Panico)

Sonntag, 26. September 2010

Einer spinnt immer - Goethe oder so

Nach 2 Ruhetagen in einer sehr schönen Ferienwohnung in Saas-Grund sollte das Wetter endlich wieder besser werden. Franzi ging es immer noch nicht viel besser, aber Evi kam noch kurz ins Wallis gefahren und so machten wir uns zu viert von Saas-Almagell auf den Weg Richtung Brittanniahütte. Die Sonne knallte auf den Südhang und der Weg zog in vielen Serpentinen nach oben. Wir schwitzten ziemlich, aber dies war von kurzer Dauer. Nach einer kurzen Mittagspause war uns recht frisch, denn der Wind war kalt und böig. Außerdem gewannen die Wolken immer mehr die Oberhand und als wir oben auf dem Sattel waren, war es richtig duster und kalt. Nach dem letzten Stück über das den Gletscher waren wir in den Wolken und es schneite leicht, aber die Hütte war nicht mehr weit. Dort freuten wir uns auf eine warme Stube, aber weit gefehlt. Es war bitterkalt – funktionierende Heizung gab es keine. So krochen wir erst mal in die Betten, dem einzig warmen Ort in dieser großen, unpersönlichen Hütte. Erst zum Abendessen wurde ein Heizstrahler aufgestellt und nach viel Suppe und Tee wurde uns endlich warm.Sonneaufgang
Am nächsten Morgen wurden wir geweckt (3.15 Uhr), allerdings meinten die beiden Tschechen in unserem Lager, schon eine viertel Stunde vorher mit dem Kruschteln beginnen zu müssen. Mit einer ganzen Stirnlampenkarawane machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. Der Himmel war klar, über dem Gletscher lag noch Nebel. Wir waren die einzigen, die zum Hohlaubgrat wollten, alle anderen Gruppen zogen zum Strahlhorn. Den Grat hatten wir bald erreicht, dort kamen wir schnell am Gipfel - alleinevorwärts. An der ersten Kuppe überholten wir die beiden Tschechen, die nicht sonderlich schnell unterwegs waren und bis hier über den Gletscher aufgestiegen waren. Wir spurten den restlichen Weg. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen und wärmte uns. Bis zur Steilstufe kurz unterhalb des Gipfels kamen wir gut voran. Anja und Ann wollten zuerst frei über die Felsen klettern – da Anjas Lieblingsplatte eingeschneit war. Mir sah die Verschneidung doch etwas undurchsichtig aus und ich war für das Sichern, was sich später als gut herausstellte. Anja stieg vor und fluchte schon bald. Es war eben bereits Anfang September und entsprechend viel Schnee lag in den Felsen und machten das Klettern schwierig. Wir freuten uns über die beiden Seilhilfen, die die schwierigsten Stellen entschärften. Nach der Steilstufe war es nur noch ein Katzensprung zum Gipfel und diesen erreichten wir zu unserer Freude vor den Massen vom Normalweg. So genossen wir die Aussicht, den Gipfel und die Ruhe. Wir rasteten in einer windgeschützten Mulde unmittelbar unterhalb des Gipfels. Allmählich kamen dann auch die ersten Normalwegler hoch und wir gingen weiter – wir hatten ja noch etwas vor uns. Von hier oben sah die Überschreitung des Feechopfs wild aus – im Führer stand was von leichter Kletterei.
Im Feejoch bogen wir vom Normalweg des Allalinhorns ab und folgten dem Grat Richtung Feechopf. Die Kletterei stellte sich wirklich als leicht heraus, allerdings war der Grat so ausgesetzt, dass er ziemlich an den Nerven zerrte. Vom Feechopf querten wir zum Alphubeljoch. Im Führer war vom Feejoch zum Alphubeljoch 1h angegeben – gefühlt hatten wir über den Grat ewig gebraucht, umso erstaunter war ich dann, als ich merkte, dass wir wirklich nur unwesentlich länger als 1 h für diese Strecke benötigten. Vom Alphubeljoch ging es stetig bergab, erst über Gletscher, der Schnee war hier schon ziemlich weich, vor allem Ann und Evi hatten mit Stollen Probleme. Nachdem wir den Gletscher verlassen hatten, ging jeder für sich zur Täschhütte. Dort angekommen trockneten wir erst alle Sachen in der Sonne und genossen eine kühle Rivella. Die Hütte ist frisch renoviert und hat die gleichen tollen Lager und Toiletten wie die Finsteraarhornhütte (großer Pluspunkt +++). Die Hütte war für einen Freitagabend und gutes Wetter auch erstaunlich leer. Neben uns wollten noch zwei Briten und ein Bergführer mit zwei Kunden am nächsten Tag auf den Alphubel.
Diesmal gab es freie Frühstückswahl und so entschieden wir uns für 4.00. Der Bergführer war bereits unterwegs, die Briten überholten uns bald. Die ersten Schritte taten weh, der Vortag steckte noch in den Knochen. Vor allem Anja ging es nicht gut und sie entschied sich bald, umzudrehen. Wir wollten uns in Saas-Fee wieder treffen. Wir stiegen schweigend weiter. Im Alphubeljoch wärmte uns endlich die Sonne, hier machten wir eine kurze Pause und seilten wieder ab. Die Briten waren bereits im SSE-Grat, Der Bergführer ging unmittelbar vor uns. Wir folgten der ausgetretenen Spur, mussten noch mal eine Sonderpause einlegen, da Evis Handschuh den Hang hinabkullerte, aber so liegen blieb, dass man ihn holen konnte. Bis zu den Felsen war das Gelände nicht sonderlich steil, nur die Wächte machte mir Bauchschmerzen und so legten wir im oberen Teil eine neue Spur in den Schnee. Nach den Felsen steilte es ordentlich auf und der Schnee war größtenteils aus dem Hang geweht. Die Briten waren bereits außer Sichtweite und der Bergführer machte mit seinen Kunden noch mal eine Pause. Wir stiegen weiter und folgten der Spur der Briten. Zwischendurch waren zwei heikle, blanke Stellen, die wir aber alle sicher meisterten und zum Schluss ging es in direkter Linie Richtung Gipfelplateau. Der Gipfel des Alphubels ist ziemlich flach und so liefen wir relativ eben zum Kreuz, das nur zu einem Drittel aus dem Schnee schaute. Hier machten wir eine ausführliche Pause, genossen das Panorama, von den Berner Alpen über das Wallis bis zum Mont Blanc – mal wieder alleine.
Da der Abstieg über berühmt berüchtigte Spaltenzonen führte, beeilten wir uns ziemlich. Der Schnee war schon wieder ziemlich weich und diesmal hatte vor allem Evi mit ihren Steigeisen Probleme. Zum Schluss verabschiedete sich ihre Platte ganz. Zum Glück lag aber vom Vortag eine Spur im Normalweg, so dass wir uns nicht durch das Labyrinth durchwühlen mussten, sondern einfach folgen konnten. Wir schwitzten so, aber wir wollten nicht noch eine Pause machen, sondern schauten einfach nur, dass wir vom Gletscher kamen. Dafür hatten wir uns an der Längsfluh eine große Rivella verdient, die ich auch in einem Zug leerte. Erstaunlicherweise war, obwohl es Samstag war und stabiles schönes Herbstwetter hatte, niemand über den Normalweg auf den Alphubel gestiegen. Man sah nur die Massen auf das Allalinhorn ziehen. Glücklich, zufrieden und gesättigt machten wir uns an den Abstieg von der Längsfluh, der sich vor allem im unteren Teil, direkt vor Saas-Fee ziemlich zog. Da die Beschilderung so widersprüchlich war, folgten wir einfach unserem Instinkt und kamen über selten begangene Wege alsbald unten am Golfplatz an, wo Anja auf uns gewartet hatte. Allerdings war sie kaum vor uns da, denn nach dem Abstieg nach Täsch brauchte sie doch tatsächlich 2 Stunden für die 38km.
Froh, wieder unten zu sein, gingen wir erst mal einkaufen, machten uns dann auf dem Campingplatz breit und freuten uns über die Dusche. Alles in allem war dies eine wunderschöne Tour, die wir dank der einsamen Gipfel und des tollen Wetters ideal erwischt haben.
Evi hatte sich wieder auf den Heimweg gemacht, wir diskutierten hingegen, was wir die nächsten Tage noch machen wollten. Den Sonntag nutzten wir als „Ruhetag“ und liefen zur Belalp (waren nur 800hm in 1:10h) um den Aletschgletscher mal aus der Nähe zu betrachten. Montag stiegen wir zur Mischabelhütte auf, diesmal mit schwerem Rucksack, die Hütte machte gerade für den Winter dicht. Es hatte in der Nacht bis ca. 2800 m runter geschneit und so war es kalt und glitschig. Ich merkte vor allem die letzten Tage in den Beinen und so mussten Ann und Anja immer mal wieder auf mich warten. Oben hieß es erst mal, sich häuslich einrichten: Zum Glück hatte es geschneit, so konnten wir Schnee zum Schmelzen sammeln, Anja spaltete bis Abends Holz, Ann kochte. Der Hüttenwirt ließ uns dankenswerterweise alle Reste da: ein bisschen Wasser, Brot, Würstchen. So konnten wir unser Mahl etwas bereichern. Ich beobachtete total begeistert, wie der Heli zur Hütte kam und den Müll und die Besatzung ausflog. Es sind halt einfach faszinierende Produkte der Technik, diese Hubschrauber. Neben uns waren auch noch zwei weitere Leute im Winterraum, die ebenfalls das Nadelhorn besteigen wollten.
Wir machten uns um 4.45 h auf den Weg, fühlten uns alle recht gut. Wir suchten uns den Weg über die Steine Richtung Gletscher. Je weiter wir uns von der Hütte entfernten, desto stürmischer wurde es. Als wir auf den Gletscher wollten und vor einer blanken Flanke standen, überlegten wir, wie wir weiter verfahren sollten. Der Wind war ziemlich stark und eigentlich war damit klar, dass der Grat zum Nadelhorn hoch damit ziemlich unsicher war. Außerdem kam noch die Schneeverfrachtung dazu: Der Grat wird blank sein, dafür die Flanke vor dem Windjoch mit Triebschnee gefüllt. So entschieden wir, hier lieber umzudrehen. Ich genoss statt dessen einen herrlichen Sonnenaufgang und nachdem es richtig hell war, stiegen wir wieder nach Saas-Fee ab. Ein unermesslicher Spaß. Als Entschädigung gingen wir direkt in unser Lieblingscafé CofFee. Dort sahen wir den Heli ziemlich lange über dem Hohlaubgrat stehen, was unsere Entscheidung noch mal bestätigte.
Die letzten 10 Tage hatten uns doch zugesetzt, die Beine waren müde und der Kopf am Ende. In die Hochtourenschuhe brachte uns nichts mehr, stattdessen ließen wir den Urlaub im Berner Oberland wandernd ausklingen. Trotzdem hatten wir fantastische Touren hinter uns und für die Jahreszeit super Wetter. Jetzt kann der Winter kommen!
  • CofFee - unser Saas-Feer Lieblingscafé
  • Karten: Schweizer Landeskarten 1:25.000: 1329 Saas; 1328 Randa

Ab ins Wallis

Urlaub – endlich! Ganze zwei Wochen hatten wir zum Bergsteigen und wollten diese im Wallis verbringen. Anfang September kann man allerding wirklich nicht mehr mit zwei Wochen stabiler Wetterlage rechnen. Für den Start planten wir daher erst mal das Weissmies zu überschreiten.
Am Samstag machten wir uns also auf den Weg nach Saas-Almagell um dann zur Almageller Hütte aufzusteigen. Neben Ansa und mir war noch Ann dabei. Franzi war leider kurz vorher krank geworden und konnte nicht mitkommen.
Nachdem das Auto abgestellt war und die Rucksäcke geschultert waren, konnte es losgehen. Nach so langer Zeit den schweren Rucksack mal wieder auf den Schultern zu haben war schon gewöhnungsbedürftig. Und mit der Wegfindung hatten wir uns anscheinend auch noch nicht so ganz angefreundet. Auf alle Fälle verpassten wir die Abzweigung zur Almageller Hütte und landeten stattdessen am Erlebnis Pfad. „Nur für Trittsichere“ Wir glaubten, dass wir dazu gehören und so ging es erst mal über eine Menge Eisenstufen und Hängebrücken. Ein unglaubliches Abenteuer, dieser Erlebnispfad.

Irgendwann fanden wir dann aber doch den richtigen Weg und es ging ohne größere Zwischenfälle zur Hütte. Dort meldeten wir uns an, wir hatten ja auch reserviert. Wir schliefen im Mischabel-Blick – dem Winterraum. Fürs Abendessen waren wir in der zweiten Schicht um 19Uhr. Langsam dämmerte uns, dass wir vermutlich nicht alleine aufs Weissmies wollten.
Der Wecker klingelte und mit mindestens 50 anderen machten wir uns auf den Weg Richtung Zwischbergenpass. Da wir selbst so mittelmäßig fit und gar nicht höhenangepasst waren, störte es uns
ausnahmsweise weniger, gemütlich hinterher zu trotteln. Im Zwischbergenpass ging dann traumhaft die Sonne auf und nach einem kurzen Kontakt über ein Schneefeld konnten wir in unsere Karawane über den Grat Richtung Gipfel streben. Hat man fast die Höhe des Gipfels erreicht geht es noch kurz und unschwierig über Schnee hinüber zum Gipfel. Da die Karawane sich inzwischen sehr auseinander gezogen hatte, konnten wir den Gipfel sogar relativ ungestört genießen. Von der anderen Bergseite wehte allerdings ein kalter Wind und so machten wir uns schnell an den Abstieg. Dieser wurde weiter unten, im Gegensatz zum Erlebnispfad, dann tatsächlich noch recht abenteuerlich. Die Spalten waren doch dann irgendwann so groß, dass über eine Spalte eine Leiter gelegt war. Das war tatsächlich mal ein neues Erlebnis. An der ein oder anderen riesigen Spalte vorbei gelangten wir schließlich Richtung Hohsaas. Der Abstieg zur Weissmieshütte war dann nicht mehr wirklich viel Spaß aber zum Glück recht schnell vorbei.
Diese Hütte war dann auch alles andere als ausgebucht und so wurde dieser Abend deutlich angenehmer. Auch gegen das Abendessen hatten wir noch nichts. Immerhin war es erst das erste Mal Hackbraten und Dosenobst - aber auf keinen Fall das letzte für die nächste Woche.
Am nächsten Morgen ging es um 5. Uhr los. Wir wollten aufs Lagginhorn. Im Aufstieg wollten wir über den gesamten Grat im Abstieg dann über die kümmerlichen Reste des Lagginhorn Gletschers – trotzdem noch mit Spalten. Außer uns waren nur noch zwei weitere Männer auf dieser Aufstiegsvariante unterwegs. Dabei geht es zunächst über die Moräne hinauf. Danach muss dann zum Grat über wegloses Gelände hinüberquert werden, bevor man wieder auf Wegspuren auf dem Grat trifft. Ansa spürte den Vortag noch in den Knochen und entschied sich zur Umkehr. Das Wetter war auch nicht wirklich toll, die Wolken hingen tief und zwischenzeitlich schneite es sogar leicht. So gingen Ann und ich alleine weiter, bis wir auf die andern über den Normalweg vom Lagginhorn Gletscher trafen. Bald darauf verschwanden wir langsam in den
Wolken und es wurde immer garstiger. Weiter ging es über Steine bis die ersten kleineren Schneefelder auftauchten. Hier zogen wir die Steigeisen wieder an und kamen so ohne Probleme aber schon ziemlich kalt gefroren zum Gipfel. Schnell ein Bild von uns, das wirklich an jedem Gipfel hätte aufgenommen werden können, und dann schnell wieder runter. Der Abstieg ging flott und problemlos. Noch schnell über den Restgletscher und schon waren wir wieder an der Hütte. Gemeinsam mit Ansa machten wir uns dann an den Rückweg zum Auto.
Die Weissmiesüberschreitung war eine sehr schöne, abwechslungsreiche Tour. Das Lagginhorn dagegen kann man mal gemacht haben, einmal reicht dann aber auch.

Montag, 26. Juli 2010

Spass im Gebirge

Lange, lange ist meine letzte Bergtour her. Also musste etwas Moderates für den Neustart gefunden werden. Da bot sich die Wiesbadener Hütte an mit einem kurzen Hüttenzustieg für den Freitagabend und Touren wie dem Piz Buin oder der Silvrettaspitze.
Ansa und ich stiegen am Freitagabend zur Hütte in kurzer Hose und T-Shirt auf. Es war bei der Hitze schon merkwürdig überhaupt eine lange Hose ein zu packen. Im Nu waren wir auch oben und bekamen in der gut gefüllten Hütte sogar ein eigenes Lager. Leider leuchtete den Rest der Nacht das grüne Notausgangsschild in unser Zimmer.
Um viertel vor sechs klingelte der Wecker. Noch waberte ein wenig Nebel umher, aber bis wir unser Frühstück gegessen hatten, hatte sich der Nebel auch verzogen. Das größere Problem waren die angesagten Gewitter, die am Morgen von Nordwesten hereinziehen sollten. Trotzdem liefen wir mal los zur Grünen Kuppe. Vorher gab es noch ein paar Bächlein zu überwinden. Der letzte war ein wenig unangenehm. Meine Füße wurden nass, Ansa fand einen netten Bergführer und seine helfende Hand. Wir stiegen weiter auf und die Wolken zogen weiter herein. Der Aufstieg auf dem Gletscher war problemlos, aber man sah wie die Front hinein rollte, dahinter türmten sich die Wolken auf. Zusammen mit dem Wetterbericht war das keine sehr schöne Aussicht. Auf ein Gewitter auf dem Gletscher konnten wir wahrlich verzichten und so drehten wir um. Natürlich kam das Gewitter nicht.
Den Nachmittag verbrachten wir damit uralte Alpin´s zu lesen und ein bisschen herumzuwandern. Nach dem Abendessen wollten wir eigentlich ins Bett, es regnete und war ziemlich neblig. Auf dem Weg ins Bett liefen uns noch Andi und Christoph über den Weg. Damit wurde das „ins-Bett-gehen“ auf später verschoben und erst mal noch ein Bierchen getrunken. Wir wollten ursprünglich möglichst früh los, ließen uns von den beiden dann aber überreden auszuschlafen und später loszugehen. Das wirklich schöne Wetter sollte am Nachmittag kommen.
Als wir am nächsten Morgen um 20 nach sechs aufstanden, war von gutem Wetter noch absolut nichts zu sehen. Dicker Nebel in alle Richtungen. Somit frühstückten wir erst einmal gemütlich und ließen uns jede Menge Zeit unser Zeug zusammen zu suchen. Aber wir waren natürlich hoch motiviert, Christoph zog schon mal den Klettergurt an, Andi setzte den Helm auf den Kopf und ich kramte die Sonnenbrille heraus. Der Nebel hatte sich nicht groß geändert. Von Zeit zu Zeit riss es ein wenig auf und versprach Hoffnung, war aber bald darauf wieder völlig undurchdringlich. Trotzdem machten wir uns auf den Weg um die Flüsse zum dritten Mal zu überqueren. Diesmal hoffentlich nicht umsonst. Da man auf der Grünen Kuppe, kurz bevor es auf den Gletscher geht, immer noch nichts sah entschieden wir uns erstmal abzuwarten.
Und wir warteten, und warteten, und warteten und eine Stunde später sahen wir immer noch nicht mehr, dafür war uns inzwischen sau kalt. Also entschieden wir herumzudrehen und die Flüsse ein viertes Mal umsonst zu überqueren. Damit wir uns aber noch ein bisschen bewegten entschieden wir übers Hohe Rad zurück zum Auto zu gehen. Dabei wird es zum Gipfel hin ziemlich steil und wir kamen mit unseren überdimensionierten Rucksäcken, zumindest für eine normale Wanderung, ganz schön ins Schnaufen. Dem ein oder anderen schien das aber nicht zu reichen und so packt man dann halt am Gipfel mal noch einen ordentlich Stein ein. Trotzdem sahen wir um uns herum nichts als Nebel in alle Richtungen, eine Besteigung des Piz Buin hätte also auch nicht unbedingt großartige Aussichten gebracht. Da der Bodensee dann so wunderbar auf dem Weg lag, nahmen wir dort noch ein genüssliches Bad, natürlich bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein.
Tja, was soll man sagen, wir haben einen Hügel bestiegen, keinen Berg dafür hab ich die Berge mal wieder gesehen und Spaß haben wir allemal gehabt.

Samstag, 26. Juni 2010

Vis-a-vis des Glockners

Und nochmal war ich am Wochenende in den Bergen unterwegs. Diesmal mit Evi und Marcel auf der Oberwalderhütte. Das Wetter war zwar nur bedingt gut vorhergesagt, aber einen Versuch war es Wert. Nach einer Nacht unter schönstem Sternenhimmel starteten wir um halb sechs an der Franz-Josefs-Höhe mit bestem Blick auf den Glockner. Durch die Tunnel des Gamsgrubenwegs liefen wir uns allmählich ein, bevor wir das erste Schneefeld queren mussten. Der Weg ist für Touristen der Glocknerstraße ausgebaut, insofern kann man da gemütlich drüber latschen. Lediglich die fehlenden Brücken erwarteten sicheres Gehen. Nach ca. 1 h kamen wir in den Schnee und konnten unseren Rucksack erleichtern, indem wir die Ski anschnallten. Es war sonnig und schon ziemlich warm und so beschlossen wir anstatt zuerst zur Hütte zu gehen, direkt zur Eiswandbichlwand, unserem heutigen Ziel, zu gehen. Wir waren hier ganz alleine unterwegs und nach einer kurzen Pause stiegen wir bis kurz vor den Bergschrund mit Ski und bauten dort um. Der Schnee war schon ziemlich weich und so war es eher ein durchwühlen als ein hochsteigen. Vom Bergschrund bis zum Ausstieg sind es nur etwas mehr als 50 hm, aber schön war es trotzdem und bei diesen Verhältnissen wäre mehr eh nicht drin gewesen. Oben wehte es ziemlich und das schlechte Wetter kündigte sich bereits an. Wir bauten wieder auf Ski um und freuten uns auf eine schöne Abfahrt. Doch leider war der Schnee noch nicht richtig aufgefirnt und so war kein Vergnügen abzufahren.
Wir waren bereits vor Mittag auf der Hütte und nach dem obligaten Auspacken und Trocknen und einem kleinen Imbiss verschwanden wir in die Lager um ein wenig Schlaf nachzuholen. Als wir wieder aufstanden, hatten sich die Bedingungen doch stark geändert: Es regnete und hatte sogar leicht gewittert. Abends wurde es allerdings wieder besser und so waren wir doch voller Hoffnung, am Sonntag in die Johannisberg-NO-Wand einsteigen zu können, die vormittags noch so wunderbar gut ausgesehen hatte.
Als wir allerdings um 3.45 Uhr aufgestanden waren, sah man Richtung Johannisberg nicht viel und so ließen wir uns mit dem Frühstück Zeit. Die Sicht wurde aber mit der aufgehenden Sonne besser und so starteten wir um 5.30. Wir querten den Gletscher, allerdings fiel uns direkt der warme Schnee auf. Es hatte nicht durchgefroren und das trotz der knapp 3000m. Je weiter wir Richtung Johannisberg kamen, desto ungemütlicher wurde es. Dunkle, hohe Wolken zogen auf, Nebelschwaden zogen durch und der Einblick in die Wand war auch nicht überzeugend: Sie hatte sich vom Tag zuvor doch ziemlich verändert und so entschieden wir irgendwann umzudrehen. Um doch noch auf einem Gipfel zu stehen, gingen wir noch auf den mittleren Burgstall. Ein netter Ort um die Aussicht auf den Glockner zu genießen, wenn man was sähe. Auf dem Weg zurück zur Hütte waren wir vollkommen in den Wolken und wir orientierten uns an den Spuren im Schnee sowie an den wenigen Steinen, die den Abhang ankündigten. Um 9 Uhr waren wir zurück auf der Hütte und machten noch eine kleine Frühstückspause, bevor wir uns auf den Weg hinunter machten. Mittlerweile schien wieder die Sonne und wir wurden mit einer herrlichen Abfahrt belohnt: Schöner aufgefirnter Schnee ließ unsere Herzen höher schlagen und bedeuteten wirklich einen wunderbaren Saisonabschluss.